Sie nannten ihn den „Hexer“: Amédée Gordini machte müden Motoren Beine. Er baute Ferrari für Arme. Im Renault Clio
R. S. Gordini lebt der Name wieder auf.
Amédée Gordini bringt es auf zwei Accents aigus im Vornamen, trotzdem war er Italiener, er wurde 1899 nahe Bologna geboren. Zur Höchstform lief er allerdings in Frankreich auf, wohin es ihn nach dem Ersten Weltkrieg verschlagen hatte (man kann sein Grab auf dem Friedhof von Montmartre besuchen und danach am Place Amédée Gordini im 15. Arrondissement Rotwein trinken). Gordini hatte ein wundersames Händchen für Motoren; was er angriff, lief danach schneller, als man sich das je hätte vorstellen können. Mit Gordini-frisierten Motoren konnte man Rennen fahren – und gewinnen.
Zusammen mit Simca focht Gordini in der damals bedeutenden Formel 2 um französische Ehren, vor allem gegen Ferrari. Seine hohen Tuningkünste brachten ihm den Beinamen „Le Sorcier“ ein. Jenen „Hexer“ brauchte es gewiss auch, um Renaults schnuckelige Dauphine Ende der Fünfzigerjahre in ein Rallyeauto zu verwandeln. Die Übung gelang, und es folgten über die Jahre 200.000 Renault-Modelle, die als aufgepeppte Gordini-Versionen den Traum vom leistbaren Sportwagen erfüllten. Markenzeichen war stets die blaue Farbe, ab dem Renault 8 auch der weiße Doppelstreifen vom Kühler bis zum Heck. Gordinis Rennstall selbst war chronisch unterfinanziert und irgendwann pleite, 1969 wurde die Firma von Renault übernommen. Die Mannschaft ging in der Sportabteilung des Konzerns auf und legte den Grundstein für Renaults legendäre Formel-1-Turbomotoren.
Das Label entschlief aber.
Nun wurde der Name reanimiert. Gordini ist beim Renault Clio R. S. zwar nur eine Ausstattungslinie (sehr blau, Rallyestreifen, Gordini-Emblem), doch das Auto ist ernsthaft schnell – und trotzdem leistbar. Und das war immer die Idee des alten Herrn.