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Theaterkritik

"Totentanz" in Neustadt: In diesem Endspiel spielt Eros mit

Jähe Augenblicke, arge Blicke: Annina Hunziker neben Lukas Haas, vor Nils Hausotte.Wortwiege/Julia Kampichler
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Die Generationen verschmelzen, nur der Hauptmann bleibt allein: Das Festival Wortwiege zeigt eine ebenso originelle wie packende Inszenierung von Strindbergs „Totentanz":

Theater soll aktuell relevant sein: Nein, diesen heute omnipräsenten Anspruch erfüllt August Strindbergs „Totentanz“ (geschrieben 1900) nicht wirklich. Diese Ehehölle lässt sich kaum oberflächlich in heutige gesellschaftliche Bedingungen übersiedeln, jedes Scheidungsgericht würde sie rasch beenden. Man muss dieses Stück tiefenpsychologisch deuten, vielleicht gar metaphysisch. Und sich damit abfinden, dass die geschilderten Seelendramen zweier Generationen auf keine schlichte Formel zu bringen sind. Man muss die offenen Rätsel stehenlassen in diesem erotisierten Endspiel.

Uwe Reichwaldt, Absolvent des Reinhardt-Seminars, tut das in seiner auch handwerklich hervorragenden, die Akustik in den Wiener Neustädter Kasematten effektvoll einbeziehenden Inszenierung. Er schafft sogar etwas, was selten gut geht: Er lässt jeweils eine Schauspielerin und einen Schauspieler zwei tragende Rollen verkörpern – Mutter und Tochter, Vater und Sohn. In zwei Szenen sogar abwechselnd, im Dialog mit sich selbst: Nils Hausotte ist der abgeklärte Kurt und dessen frisch aufgewühlter Sohn Allan, Annina Hunziker ist die in ihrer sinistren Verführungskraft schwelgende Alice und ihre noch unsichere Tochter Judith. Wie sie, die sich so bereitwillig die Füße küssen lässt, ihrem anderen, jüngeren Ich beibringt, mit Stöckelschuhen zu gehen: bravourös.