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Berlin-Briefing

Ein Skandal und die deutsch-österreichische Polit-Seele  

Untersuchungsausschuss zum Bilanzskandal Wirecard
Deutschland sucht Österreicher: Ein Aktenordner mit Fahndungsfotos von Jan Marsalek beim Wirecard-Untersuchungsausschuss in Berlin.(c) APA/dpa/Kay Nietfeld (Kay Nietfeld)
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Dan McCrum, der den Wirecard-Skandal aufdeckte, hat einen Film darüber herausgebracht. Er lenkt den Blick auch auf typisch Deutsches an der Geschichte – und leistet sich bei Sebastian Kurz einen Fehler.

Eines muss man Markus Braun und Jan Marsalek lassen: Die beiden Österreicher haben das Bild ihres kleinen Heimatlandes beim großen Nachbarn Deutschland verändert. Wenn ich in Berlin in politaffinen Kreisen smalltalken muss, stelle ich mich darauf ein, ein paar schlaue Sätze zum Wirecard-Skandal parat zu haben. Es gibt viele Fragen, passiert ja nicht alle Tage, dass zwei Österreicher mit Charme und großen Tönen einen Dax-Konzern erschaffen – der sich zusammen mit 20 Milliarden Euro in Luft auflöst und dazu führt, dass eine Riege an staatlichen Finanzaufsehern in der EU-Großmacht den Hut nehmen muss.

Die Wirecard-Geschichte ist filmreif – weswegen es neben Dokus und Podcasts seit Juli eine Netflix-Persiflage-Serie gibt, in der eine Firma namens Cable Cash sich ganz nach oben betrügt. Auch hier steht logischerweise ein trickreicher Österreicher im Mittelpunkt, es treten exzentrisch-bizarre, ihren Geiseln Red-Bull-Dosen reichende Schlapphüte aus Wien auf, dazu gibt es Kalauer wie: „Ganz ehrlich, wenn ich einmal Hilfe brauch‘, dann sicher nicht vom österreichischen Geheimdienst.“  

Ja, Österreich ist für viele Deutsche noch das Land der schönen Seen und Berge, der Gastfreundlichkeit und der Gemütlichkeit. Aber es wird auch gerne an dieser allzu idyllischen Kulisse gezerrt. Es ließe sich auch sagen: Über Österreich wird gerne gelacht. Das liegt nicht nur, aber eben auch an der Wirecard-Geschichte, die ein neuer Film nun aus einem eigenen Blickwinkel beleuchtet.