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Ausstellung

Diese Künstlerin wollte eine andere Welt

Klaustrophobisch: „Mann im Zimmer“, um 1920.[ Kunstsammlung und Archiv der Angewandten/kunst-dokumentation.com ]
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Es ist das Jahr der Friedl Dicker-Brandeis, 1944 in Auschwitz ermordet. Im Lentos wurde die Künstlerin und Aktivistin groß vorgestellt, die Angewandte geht jetzt tiefer.

Es ist der denkmöglich zynischste Titel: „Die uns verließen“. So hieß 1980 eine Ausstellung im Belvedere, bei der an im Nationalsozialismus vertriebene und ermordete österreichische Künstlerinnen und Künstler erinnert werden sollte. Als hätten sie uns im Stich gelassen! Unschuldig liegt der Katalog auf dem Büchertisch, betritt man die Ausstellung im Heiligenkreuzerhof. Unschuldig ist er dort allerdings nicht gelandet. Flankiert wird er noch dazu von zwei wesentlichen Publikationen Oswald Oberhubers zum selben Thema, eine von 1985, die sich wie eine Antwort auf das Belvedere liest: „Vertreibung des Geistigen aus Österreich“. Und eine von 1976, zu einer Ausstellung in der Galerie Nächst St. Stephan.

Dort, in „Österreichische Avantgarde“, stellte Oberhuber erstmals ein Werk von Friedl Dicker-Brandeis (1898–1944) aus, dieser mutigsten und tragischsten Künstlerin der Wiener Moderne. 2022 ist ihr Jahr, gleich drei Ausstellungen wollen sie in all ihren Facetten darstellen – und von denen hatte die jüdische Bauhaus-Musterschülerin, Designerin, Malerin, linke Aktivistin und Pionierin der Kinder-Kunsttherapie (in Theresienstadt) reichlich. Nach der großen Personale im Lentos wird Ende November das Wien-Museum das Architektur-Atelier Singer-Dicker beleuchten. Dazwischen präsentiert jetzt die Angewandte die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das die hauseigene Dicker-Brandeis-Sammlung zum Thema hatte: 200 Werke, basierend auf einer Schenkung des Angewandte-Rektors Oberhuber, weitergeführt über Jahrzehnte von den Sammlungsleitern, lang bevor es Mode war, sich bewusst um Künstlerinnen zu bemühen.