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Bevölkerungsverteilung

Wie ist das nun mit den Muslimen, Herr Wallentin?

"Jeder dritte Wiener wird in 20 Jahren Moslem sein, falls die Zuwanderung unverändert bleibt", schreibt Tassilo Wallentin in einem seiner Bücher.
"Jeder dritte Wiener wird in 20 Jahren Moslem sein, falls die Zuwanderung unverändert bleibt", schreibt Tassilo Wallentin in einem seiner Bücher.IMAGO/SEPA.Media
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In der „ZiB 2“ von Montagabend kamen einige fragwürdige Aussagen von Tassilo Wallentin über den muslimischen Anteil der Bevölkerung in Österreich zutage. „Die Presse“ hat sich auf Spurensuche begeben.

Bis zu 40 Prozent Muslime könne es in 20 Jahren in Österreich geben. Mit dieser Aussage aus einem seiner Bücher hat Bundespräsidentschafts-Kandidat Tassilo Wallentin am Montagabend in der „ZiB 2“ für Aufruhr gesorgt. Moderator Armin Wolf konfrontierte ihn mit dem Zitat, es sei schlichtweg falsch: „Extreme Szenarien“ würden nicht einmal von der Hälfte ausgehen, „realistischere Annahmen“ von einem Viertel. Wallentin wiegelt ab: Es ginge nicht um genaue Zahlen, sondern um die „Tendenz“ im Land und darum, „wie es den Menschen geht.“ Außerdem habe er nicht von österreichweiten Zahlen gesprochen, sondern über die Entwicklung in Wien. Es folgte ein Schlagabtausch über Wahrheit und Verschwörungstheorie.

Fest steht: Im fünften Band seiner Buchreihe „Offen gesagt“ schreibt Wallentin wortwörtlich: „In 20 Jahren wird es 30-40 Prozent Muslime in Österreich geben; zumindest jeder dritte Wiener wird Moslem sein – falls die Zuwanderung unvermindert stark bleibt.“ Damit aber nicht genug. „Auch bei kompletter Schließung der EU-Außengrenzen und 'Null-Zuwanderung' wird sich der Anteil der Muslime in Österreich verdoppeln“, behauptet er weiter. Eine Quelle wird in diesem Zusammenhang nicht genannt, jedoch gibt Wallentin im Interview mit Armin Wolf an, sich auf eine groß angelegte Studie „von vor ein paar Jahren“ bezogen zu haben.

 

Zukunftsszenarien versus realistische Prognosen

Die Studie des Österreichischen Integrationsfonds aus 2017, von der Wallentin vermutlich spricht, skizziert vier unterschiedliche Zukunftsszenarien: „europäische Mobilität“, „Diversität“, „geringe Zuwanderung“ und „starke Zuwanderung". Lediglich im letzten der möglichen Gedankenspiele stiege der Anteil der muslimischen Bevölkerung im Jahr 2046 auf 30 Prozent an. Allerdings auch nur in Wien und nicht – wie von Wallentin impliziert – in ganz Österreich, wo es 21 Prozent wären. Die römisch-katholische Bevölkerung in Wien würde von 35 Prozent im Jahr 2016 auf 22 Prozent schrumpfen, der Anteil der Konfessionslosen auf 24 Prozent sinken. Allerdings liegen diesem Gedankenspiel einige, teils unrealistische Annahmen zugrunde, wie in der Studie selbst auch betont wird.