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Kein Abschiedsschmerz beim elektronischen Bezahlen

Bargeld ist ein unverzichtbares Mittel, um den Umgang mit Geld zu erlernen, und spielt in der Finanzbildung eine essenzielle Rolle.
Bargeld ist ein unverzichtbares Mittel, um den Umgang mit Geld zu erlernen, und spielt in der Finanzbildung eine essenzielle Rolle.Günther Peroutka
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Finanzbildung. Junge Menschen verlieren immer mehr den Bezug zum Geld. Schuld daran ist das einfache Bezahlen per Bankomatkarte, Kreditkarte oder Mausklick im Internet. Taschengeld in Form von Bargeld kann dem entgegenwirken.

Die Zahl der jungen Verschuldeten steigt dramatisch. 25 Prozent aller unter 30-jährigen Österreicher benötigen eine Schuldnerberatung. Diese Statistik ist ein alarmierendes Zeichen für mangelnde Finanzbildung. Bargeld lehrt, wie man mit begrenztem Vermögen umgeht. Deshalb sollte in jedem Haushalt das Handling mit Bargeld auch der Anfang der Finanzbildung sein, die bereits von Kindesbeinen an trainiert wird. Untersuchungen vom Bildungspsychologischen Institut der Universität Wien, unter der Leitung von Professorin Christiane Spiel, kommen zu dem Ergebnis, dass Taschengeld ein wichtiger psychologischer Faktor ist, mit seinem Geld auszukommen. „Bargeld macht schlau“, brachte es Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich auf den Punkt. Die Münze Österreich arbeitet mit der Schuldnerberatung zusammen. „Dort ist einer der ersten Maßnahmen, dass man die Klienten bittet, die Kreditkartenzahlungen zu unterlassen und auf Bargeldverkehr umzusteigen, wenn diese Personen Anzeichen zeigen, dass sie mit Geld schlecht umgehen können“, berichtete Starsich. Bei der elektronischen Bezahlung fällt der „Abschiedsschmerz“ weg, den man fühlt, wenn man mit Bargeld bezahlt.

Faszination Bargeld

Aus Perspektive der Münze Österreich beobachtet man ein Comeback der Münzsammler. Früher waren das eher „Nerds“, ähnlich dem Briefmarkensammeln, inzwischen ist der Kundenstock der Münzsammler sehr gemischt und greift über alle Altersgruppen.
Es sind vor allem die Millennials, die sich eher für elektronische Zahlungsmittel begeistern. Diese Schicht wuchs mit der Einführung des Internets auf – die erste Generation der Digital Natives. Und hier sind es vor allem die gebildeten Jungen, die auf die elektronische Bezahlung anspringen – und genau aus dieser Schicht sind viele Konkurse zu verzeichnen. Personen, die von Haus aus weniger Geld zur Verfügung haben, besitzen automatisch ein besseres Geldverständnis für begrenzte Summen.

Hans K. Reisch, Finanzvorstand der SPAR Österreich, sieht den Trend zum elektronischen Bezahlen auch durch die Onlineversandhäuser vorangetrieben. „Während im stationären Handel das Bargeld weiterhin die Nummer eins bei den beliebtesten Zahlungsmitteln ist.“
Bei der Generation Z zeichnet sich ein möglicher Wandel ab. Laut Analysen rückt diese Zielgruppe zunehmend von den elektronischen Bezahlmethoden ab, weil sie nicht mehr alles von sich preisgeben wollen. Eine Entwicklung, die es weiter zu beobachten gilt.

Bargeld fördert nicht den Betrug

Vor allem vonseiten der Kreditkartengesellschaften in Europa wird Bargeld gern als „rückständiges“ Zahlungsmittel bezeichnet und es schwingt die Mär mit, kriminelle Machenschaften werden vorwiegend über Bargeld abgewickelt. Zum Beispiel: Schwarzarbeit ließe sich mit Bargeld leichter finanzieren, wodurch ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht. Aber Gerhard Starsich, Generaldirektor Münze Österreich, erteilt Argumenten wie diesen eine klare Abfuhr: „Bargeld ist in seiner internen Betrugssicherheit wesentlich sicherer als Kartenzahlungen.“
Die Fälschungsrate von Geldscheinen liege im untersten Bereich, weit unter Kreditkartenbetrug. Dennoch erzielte der Lobbyismus gegen Bargeld, dass die Produktion der 500-Euro-Banknote eingestellt wurde. „Es hat zu keinem Rückgang in der europäischen Verbrechensstatistik geführt“, merkte Starsich an, der selbst überrascht ist, dass statistisch gesehen angeblich sieben Prozent aller Banküberweisungen einen kriminellen Hintergrund haben. Das beliebteste Zahlungsmittel im Darknet ist übrigens Cybermoney.

Im Handel ist der Betrug weder mit Kreditkarten noch mit Bargeld groß. Auch SPAR sieht die größte Betrugsgefahr über das Internet und die zunehmende Digitalisierung. Deshalb investiert man viel in Cybersicherheit und ist gegen Cybercrime gerüstet, gibt aber selbstverständlich die Strategien nicht öffentlich preis. Die steigende Gefahr von Cybercrime macht Barzahlungen sogar zur sichersten Bezahlvariante. Es besteht keine Gefahr von Hackerangriffen oder Phishing-Attacken und man ist nicht abhängig von technischen und sonstigen Voraussetzungen, um seine Geschäfte zu erledigen.