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Amanshausers Album

Atemberaubendes Bosnien

Kurz vor einem großen Gewitter, am künstlichen Bileća-Stausee.
Kurz vor einem großen Gewitter, am künstlichen Bileća-Stausee.Martin Amanshauser
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Quer durch Bosnien: Mehrfach „willkommen in der Republika Srpska“ und über die Bosna.

Wir planen, Bosnien von Süden nach Norden zu durchqueren. Das Land hat bei Neum einen winzig kleinen Meereszugang. Google Maps rät jedoch von dieser Route ab, denn die komplette, pure Bosnien-Durchquerung würde viel länger dauern. Wer vertraut diesen Maps nicht? Ich biege bei Dubrovnik in die Berge ab und verzichte somit auf Mostar.

Das erste Städtchen in der Republika Srpska heißt Trebinje. In der Vitrine einer Bäckerei liegen verführerische ­Pizzastücke. Aber ich besitze noch keine „Konvertiblen Mark“, die lokale Währung, sieht man von zehn „Konvertiblen Fennig“ ab, die eines der Kinder – sie fahren am Rücksitz – auf der Straße findet. Mit Karte zahlen? Geht nicht, sagt die Bäckereifrau. Kroatische Kuna? Ebenfalls nein. Euro? Ja, gern, falls sie Konvertible Mark herausgeben darf. Auf die Pizza spritzt sie Mayonnaise und Ketchup, was mich zuerst empört, doch es stellt sich heraus, sie hat recht – schmackhafte Pizza, aber legendär trocken.

Zwischen Kalk- und Karstformationen und durch Schluchten geht es zum künstlichen Bileća-Stausee an der Grenze zu Montenegro. Uns ereilt Gewitter­wetter, elektrische Entladungen und ein Regenbogen zischen in den See, wir flüchten durch enge Kurven in dichtere Wälder.
Von nun an fährt man mehrfach vom herkömmlichen Bosnien in die Republika Srpska ein, und nur die serbische Administration hat Willkommensschilder aufgestellt, glauben doch die anderen noch an den Gesamtstaat. Nach dem kurzen Autobahnstück längs von Sarajevo kommt die Industriestadt Zenica, die speziell riecht, vermutlich nach der Fabrik mit den großen „Hifa Oil“-Tanks. Zu allem Überfluss gibt es hier Tankstellen namens „Gazprom“, eigentlich eh sehr ehrlich, bei uns schreiben sie diesen Firmennamen noch nicht direkt auf die Zapfsäulen.

Auf bosniakischem Gebiet wird das Tal wieder enger. Wir überqueren einen Fluss namens Bosna (vielleicht benannt nach der in Linz erfundenen Wurst­spezialität) nicht nur ein- oder zwei-, ­sondern sicher 15-mal. „Jetzt fahren wir schon wieder über dieses Würstel“, lässt eines der Kinder von der Rückbank ­vernehmen. 

("Die Presse Schaufenster" vom 16.09.2022)