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Kolumne

Motivationsschreiben quo vadis?

Trotzdem Abheben zum Traumjob
Trotzdem Abheben zum Traumjob(c) Getty Images (pinstock)
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Auf zum Traumjob. Folge 42. Traumjobs fallen nicht vom Himmel, aber...

Das Motivations- oder Bewerbungsschreiben ist seit jeher Bestandteil der klassischen Bewerbungsunterlagen. Weniger formal als der Lebenslauf diente es immer dazu, der eigenen Bewerbung einen individuelleren Touch zu verleihen. Aktuell stellt sich jedoch zunehmend die Frage, inwieweit es heute noch sinnvoll ist, eines zu verfassen.

In jedem Bewerbungstraining oder Karrierecoaching ist das Verfassen eines Bewerbungsschreibens ein unbestrittener Fixpunkt. Ein gutes Motivationsschreiben zu verfassen, ist sprachlich für viele eine ungemeine Herausforderung.

Nicht umsonst greifen deshalb Bewerber:innen gerne auf die copy-paste- Variante zurück. Möglicherweise ist es genau diese Entwicklung, welche das Bewerbungsschreiben in den letzten Jahren so in Verruf gebracht hat.

In einer Blitzumfrage unter sieben HR-Manager:innen von Top österreichischen und internationalen Markenunternehmen kam genau von einem die Rückmeldung, dass ja zumeist nur „herauskopierte Phrasen verwendet werden“, die mit dem/r Bewerber:in in der Regel absolut nichts zu tun haben. Da stellt sich natürlich die berechtigte Frage, inwieweit es sich noch lohnt ein Motivationsschreiben zu verfassen und wenn ja wie es denn gestaltet sein sollte?

Was kommt alles ins Bewerbungsschreiben?

„Alles, was im Lebenslauf steht, braucht nicht ins Motivationsschreiben“, ist die erste Grundregel, die ich auch meinen New/Outplacement-Kandidat:innen empfehle. Primär dient es dazu, die Persönlichkeit der Bewerber greifbar zu machen, während im Lebenslauf die berufliche Erfahrung sowie die formalen Qualifikationen sichtbar gemacht werden.

Deshalb sollte das Bewerbungsschreiben ja aktuell eigentlich an Wertigkeit gewinnen, da genau die persönlichen Stärken heute immer mehr an Bedeutung gewinnen. Culture Match geht vor Skill Match, wird immer wieder behauptet. Vier von sieben HR-Manager:innen geben an, drei machten keine Angaben dazu, je höher die Position, desto mehr Gewicht nimmt das Schreiben im Bewerbungsprozess ein und wird laut Angabe dann von allen auch gelesen.

Eine weitere Empfehlung an meine New/Outplacement-Kandidat:innen lautet im Schreiben nur Kompetenzen anzuführen, welche tatsächlich zur eigenen Person passen und in weiterer Folge dann authentisch im Bewerbungsgespräch vertreten werden können.

Ein Missmatch zwischen Person und Unterlagen ist ebenso fatal wie eine Nichtpassung von Unterlagen und Inserat. Viele Bewerber:innen verfassen ihre Unterlagen, ohne auf das Stelleninserat zu achten. Das mag in den Fällen egal sein, wo in den Inseraten ebenso nur allgemeine Phrasen abgedruckt werden, aber nicht, wenn sie von der HR-Abteilung wohlüberlegt wurden.

Die sprachliche Formulierung stellt mitunter die schwierigste Herausforderung dar und deshalb empfiehlt es sich hier jedenfalls Feedback einzuholen, am besten beim Profi. Wenn kein Profi zur Verfügung steht, dann gibt es sicherlich den einen oder anderen sprachbegabten Freund, der hier aushelfen kann.

Denn alle HR-Manager:innen geben an, dass Grammatik und Rechtschreibfehler für sie absolute No go’s sind. Als weitere Kardinalfehler werden die Angabe des falschen Firmennamen oder die Verwendung einer nicht passenden Anrede genannt. Bei Quereinsteiger:innen sowie Initiativbewerbungen hat das Motivationsschreiben ebenfalls ein größeres Gewicht, weil in diesen Fällen natürlich das Interesse der HR-Abteilung geweckt wird, warum die Bewerber:innen diesen Schritt unternehmen wollen.

Drei wichtige Warum’s im Bewerbungsschreiben

Inhalt und Struktur eines Motivationsschreibens folgen den Fragen, die die Bewerber damit beantworten wollen. Ich empfehle meinen New/Outplacement-Kandidat:innen immer nachfolgende drei Fragen einfließen zu lassen und zwar:

  1. Warum möchte ich für dieses Unternehmen arbeiten? Das sind oftmals sehr individuelle Gründe, die jedoch nur beantwortet werden können, wenn sich die Bewerber im Vorfeld mit dem Unternehmen auseinandersetzen. Die Informationsquellen sind mannigfaltig, angefangen von der Webpage über die Produkte bis zur Werbung oder der Bekanntheit der Firma. Auch hier lohnt es sich nicht Phrasen zu dreschen, weil der traditionelle Familienbetrieb in Wien ist nun mal kein weltbekannter Markenkonzern, für den man schon immer tätig sein wollte.
  2. Warum interessiere ich mich für diese Position? Dazu gehört natürlich, wo das Interesse herrührt und warum gerade jetzt der passende Zeitpunkt dafür ist bzw. man jetzt den Job wechseln möchte. Das kann als Einstieg ins Motivationsschreiben dienen. Dieser Punkt hängt vor allem sehr stark mit der persönlichen Karriereentwicklung zusammen.
  3. Warum bin ich der/die Richtige? Das ist die eigentliche Kernfrage eines Motivationsschreibens, wo sich jeder Bewerber nach Lust und Laune austoben kann. Alle Kompetenzen, die einen für die Position empfehlen, werden an dieser Stelle angeführt. Superlative sind kontraproduktiv, aber ein erfrischender Schreibstil sind für jede HR-Abteilung eine willkommene Abwechslung im Recruitingalltag. So können Bewerber, die schon häufiger Job gewechselt haben, ruhig frech mit der Überschrift: "Finden Sie, ich bin ein Jobwechsler?" starten.

Die Form des Schreibens selbst kann heute völlig frei gewählt werden. Viele halten sich noch immer an die Briefform, was doch ein wenig antiquiert wirken kann, da es ja nicht mehr als Brief verschickt wird. Außer vielleicht man bewirbt sich beim Rechtsanwalt, dann kann es eventuell noch Sinn machen.

Viele Bewerber schreiben den Inhalt einfach ins E-Mail. Durch den Entwurf eines eigenen Briefkopfs bekommt das Schreiben wieder eine individuellere Note und fällt natürlich eher auf. In Summe hat das Motivationsschreiben an Wichtigkeit verloren, wird aber gerade bei höheren Position immer noch gelesen und kann im Zweifelsfall das Zünglein an der Waage zum nächsten Traumjob sein.

Gutes Gelingen!

Michael Hanschitz

Michael Hanschitz ist seit nunmehr 15 Jahren als New/Outplacementberater, Autor und Karrierecoach tätig. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Outplacementberatung (www.outplacementberatung.co.at) und Autor des Buches Menschen fair behandeln. Mit seiner Arbeit unterstützt er Menschen und Organisationen in schwierigen Veränderungsprozessen. Beraten mit Herz und Verstand lautet seine Devise.

Michael Hanschitz
Michael Hanschitz(c) Marek Knopp