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Literatur

Maskenspiel mit der Weltliteratur

Erstmals in deutscher Sprache:Jelena Schwarz' bilder- und formenreiche Poesie.

Es war hoch an der Zeit, dass Jelena Schwarz, eine der Zentralfiguren der lyrischen Untergrundszene Leningrads, deren Gedichte einst von Hand zu Hand weitergereicht wurden und erst seit den späten 1980er-Jahren offiziell erscheinen konnten, auch im deutschen Sprachraum durch einen namhaften Verlag bekannt gemacht wird. Faszinierend ist das vielfache Maskenspiel, das diese Dichterin zu inszenieren vermag. So hat sie aus dem Namen des deutschen Lyrikers Arno Holz und der letzten Silbe des Namens Mozart das Pseudonym des estnischen Dichters Arno Zart erfunden, der in Beziehung zu einer Fuchsfee aus der chinesischen Mythologie tritt und als Autor einiger Gedichte fungiert.

Ein anderes Mal gibt Jelena Schwarz vor, Gedichte von Cynthia – einer Figur aus den Elegien des römischen Dichters Properz – zu präsentieren, und schreibt: „Ihre Gedichte sind nicht erhalten, aber ich habe trotzdem versucht, sie ins Russische zu übersetzen.“ Was sich in diesem Paradox als Nachdichtung ausgibt, ist eine elegante und formvollendete Erfindung. An allen Ecken und Enden spürt man, wie sehr die Autorin in der antiken Mythologie wie in den biblischen Texten zu Hause ist. Sie prunkt aber nie mit einem Bildungszierrat, sondern wagt überraschende Neuinterpretationen. Im Gedicht „Der tanzende David“ mutiert der Schöpfergott der biblischen Vorlage zu einem „Gott der Frechheit“. Und die Liebesgeschichte des Gedichts „Orpheus“ verläuft ganz anders, als wir sie kennen.