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Interview

Neue Arbeiterkammer-Direktorin: "Die Regierung soll den Hintern hochkriegen"

Silvia Hruška-Frank bildet mit Präsidentin Renate Anderl die erste weibliche Doppelspitze der AK.
Silvia Hruška-Frank bildet mit Präsidentin Renate Anderl die erste weibliche Doppelspitze der AK.Akos Burg
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Gibt es im Sozialstaat Österreich echte Armut? Ja, sagt die neue Arbeiterkammer-Direktorin Silvia Hruška-Frank. Dass niedrige Pensionen nächstes Jahr einmal mehr stärker erhöht werden sollen als höhere, sieht sie dennoch kritisch.

Die Presse: Die Arbeiterkammer legte unlängst eine alarmistische Umfrage vor: Sieben von zehn Befragten sagten, sie fühlen sich angesichts der Teuerung von der Politik im Stich gelassen. Man kann ja kritisieren, dass die Regierung zu viel Geld verteilt – aber dass es zu wenig ist, ist aktuell eher schwer argumentierbar.

Silvia Hruška-Frank: Mein Eindruck ist eher, dass die Regierung in der Pendeluhr schläft und noch nicht angekommen ist, wie es den Leuten geht. Wer seine Tankrechnung bezahlt, Lebensmittel einkauft oder Schulbedarf für die Kinder, spürt nicht, dass großartig etwas getan wurde. Gleichzeitig gibt es viele Energieunternehmen, die Übergewinne machen. Dass die Menschen da das Vertrauen verlieren, ist kein Wunder.

Laut einer Erhebung der Agenda Austria wird für niedrige Einkommen die Teuerung sogar überkompensiert. Und auch das Ende der Kalten Progression begünstigt geringere Einkommen stärker.

Die Menschen spüren, dass sich das von hinten bis vorn mit dem Geld nicht ausgeht. Manche Maßnahmen wirken noch nicht, und die Einmalzahlungen sind schnell aufgebraucht. Dafür gibt es eine Bundesregierung, sie soll, erlauben Sie meine Wortwahl, den Hintern hochkriegen und etwas tun. Die Fakten sind klar: Jedes fünfte Kind in Österreich ist armutsgefährdet. 22 Prozent der Eltern sagen, sie können sich die Nachmittagsbetreuung nicht mehr leisten.