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Die Mosaiken von San Vitale sprengten alle Konventionen: Kaiserin Theodora von Byzanz mit Gefolge im allerheiligsten Bereich, der Apsis.
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Ravenna

Als das alte Rom verfiel und Ravenna erblühte

Jeder Kunstinteressierte kennt die goldglänzenden Mosaiken der Kirchen von Ravenna. Als das römische Imperium unterging, begann hier eine Blütezeit. Das Erbe Ravennas wurde bestimmend für die Kultur des christlichen Europa.

Doch du, Ravenna, heiß geliebt von allen? / In Trümmern seh' ich die Paläste fallen, / Und deine Schönheit ist ein Leichenlinnen / Und deine Größe liegt entseelt darinnen“, dichtete der noch völlig unbekannte Oscar Wilde 1878 in seinem Gedicht „Ravenna“, in dem er die Impressionen einer Italienreise verarbeitete. Wie verzaubert stünden die uralten Kirchen aus der Zeit der Goten in der doch eigentlich enttäuschenden Gegenwart Ravennas, schrieb schon zuvor der deutsche Italien-Reisende Ferdinand Gregorovius. Wenn man sie aber aufsuche, wehe einen die Vergangenheit mit großer Macht an. Man stehe gebannt unter den mosaikverzierten Kuppeln und könne nicht glauben, wie alt sie sind.

Wenn heute von der atemberaubenden Kunst Norditaliens gesprochen wird, denkt man meist an die Renaissance des 14. und 15. Jahrhunderts. Die große Zeit der künstlerischen Blüte Ravennas liegt fast tausend Jahre weiter zurück, in der Spätantike, ab dem 5. Jahrhundert. Als der Dichter Dante, der 1321 in Ravenna starb, die Kunstwerke sah, waren sie bereits 900 Jahre alt, als der Engländer Lord Byron unter ihnen stand, fast 1400.

Entrückte Zwischenzeit. Es ist die Entrücktheit dieser seltsamen Zwischenzeit zwischen Römischem Imperium und christlichem Mittelalter, die hier fasziniert. Wir wissen wenig über sie, keinen Künstler kennen wir mit Namen, wir können schwer nachvollziehen, wie die Menschen damals lebten, und wüssten noch weniger, wenn nicht die Denkmäler Ravennas wie durch ein Wunder die Zeit überdauert hätten.