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Massenet als Lied-Meister

Eine neue CD lässt Opernfreunde aufhorchen: Raritäten vom Komponisten der "Manon".

Jules Massenet ist hierzulande bestenfalls als Komponist zweier Repertoire-Opern, „Manon“ und „Werther“ bekannt. Was er sonst geschrieben hat, verschwindet hinter der Folie des Kitschverdachts, dem all seine Musik in deutschsprachigen Landen ausgesetzt ist.

Wer diese Hürde nehmen kann und sich eleganter, oft einschmeichelnder, immer sensibel Charaktere modellierender Musik hinzugeben bereit ist, der wird an der Neuerscheinung der venezianischen Bru-Zane-Stiftung seine helle Freude haben: Ein illustres Sänger-Ensemble hat dreißig Lieder Massenets aufgenommen, allesamt vom Komponisten selbst für kleines Orchester instrumentiert und vom Pariser Kammerorchester unter Hervé Niquet hier subtil modelliert.

Stimmen entdecken

Die hörenswerte CD umrahmen zwei Aufnahmen des eloquenten Tenors Cyrille Dubois, als Auftakt frisch-duftige „Frühlingsgedanken“, als Abschluss das quirlige „Chanson der Musette“, das - ein, wenn schon nicht strahlendes, aber sicheres hohes C inbegriffen, für Opernfreunde ein Fund ist, wird doch in diesem Stück jene Musette besungen, die wir aus Puccinis „Bohème“ gut kennen. Ein akustisches Portrait einer vertrauten Opernfigur aus der Feder eines anderen Komponisten ...

Der Funde sind viele in dieser Liedersammlung, von Liebeserklärungen bis hin zu Hymnen auf die Jungfrau Maria reicht das Spektrum - mit dem von Veronique Gens hinreißend gesungenen „Souvenez-vous, Vierge Marie!“ erinnert man sich vielleicht auch daran, dass Massenet nicht nur Opern, sondern auch bemerkenswerte geistliche Musik komponiert hat.

Mit von der Partie ist auch die hierzulande bereits gut bekannte Nicole Car, die nicht zuletzt mit einer impulsiven Nummer namens „L’improvisatore“ effektsicher reüssiert. Das ist, alles in allem, eine bunte Massenet-Revue kleiner menschlicher Portraits und Stimmungsbilder - kaum eine schwache Nummer dabei und noch weniger Kitschverdächtiges; eher schon geistreiche Unterhaltung wie die beinah kabarettistische „Hymne d’amour“ des von seinen Staatsopernauftritten in „Faust“ und „Barbier von Sevilla“ in Wien schon bekannten, weniger profunden als höhensicheren Baritons Étienne Dupuis. Und übrigens auch eine Melodie, die zumindest Ballett-Freunde der „Manon“ zuordnen werden, auch wenn sie in Massenets gleichnamiger Oper nicht vorkommt ...