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Konjunktur

OECD-Prognose: Kaum noch Wachstum in Europa

Stadtansicht - Containerschiff Cosco Shipping Capricorn am Containerterminal Tollerort - HHLA Hamburger Hafen und Logis
Stadtansicht - Containerschiff Cosco Shipping Capricorn am Containerterminal Tollerort - HHLA Hamburger Hafen und Logis(c) imago images/Chris Emil Jan�en (Chris Emil Jano´!.A¸en, via www.imago-images.de)
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Die Weltwirtschaft wächst 2023 langsamer, die Wirtschaft der Eurozone bestenfalls minimal.

Die Weltwirtschaft verliert an Fahrt. Zwar geht die am Montag von der Industriestaatenorganisation (OECD) veröffentlichte Zwischenprognose für heuer weiterhin von einem Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung von drei Prozent aus. Aber für das kommende Jahr erwartet die in Paris ansässige Institution nur noch ein Wachstum von 2,2 Prozent. Das sind um 0,6 Prozentpunkte weniger als bisher für 2023 prognostiziert.

Die Gründe für die Korrektur sind offenkundig: Zusätzlich zu pandemiebedingten Verwerfungen verknappte Russlands Angriffskrieg in der Ukraine etwa Lebensmittel und Energie. Weil sich die Inflation in vielen Staaten zu verfestigen droht, haben Notenbanken weltweit mit signifikanten Zinsschritten reagiert – was die Nachfrage und somit das Wachstum dämpft. Zwar dürften eine straffere Geldpolitik und sich auflösende Angebotsengpässe den Inflationsdruck im kommenden Jahr dämpfen, aber weiterhin hohe Energiepreise und höhere Lohnkosten dürften den Rückgang der Teuerung verlangsamen, heißt es in dem Bericht.

Europa stagniert

In Summe könnten die weltweiten realen Einkommen jedenfalls 2023
um 2,8 Billionen Dollar (2,87 Billionen Euro) unter den Erwartungen liegen, die es vor Ausbruch des Kriegs gegeben hat, schätzt die
OECD.

Stark betroffen von sinkenden Realeinkommen und Störungen auf den Energiemärkten ist auch Europa. Hier dürften viele Volkswirtschaften im zweiten Halbjahr 2022 und im ersten Quartal 2023 bestenfalls ein schwaches Wachstum verzeichnen, bevor es bis zum Ende des Jahres 2023 zu einer gewissen Verbesserung kommt, heißt es in der Prognose. Kurzfristige Produktionsrückgänge seien in einigen Ländern wahrscheinlich, darunter Deutschland, Italien, Großbritannien und dem gesamten Eurowährungsgebiet.

Die OECD prognostiziert 2023 für die Eurozone ein um 1,3 Prozentpunkte geringeres Wachstum von lediglich 0,3 Prozent. Für Deutschland wird eine Rezession erwartet. Wobei die Negativrisken überwiegen. „Größere Knappheit bei Kraftstoffen, insbesondere bei Gas, könnte das Wachstum in Europa 2023 um weitere 1,25 Prozentpunkte verringern, während das globale Wachstum um 0,5 Prozentpunkte zurückgeht“, heißt es in der Prognose. Die Inflation in Europa wäre in diesem Szenario um 1,5 Prozentpunkte höher. Derzeit erwartet die OECD für den Euroraum 2023 eine Inflationsrate von 6,2 Prozent.

So ein Negativszenario könnte etwa dann eintreten, wenn der Winter besonders kalt wird, die Euroländer ihren Gasverbrauch aber nicht reduzieren. Sollte Russland kein Gas mehr nach Europa liefern und der Winter kalt werden, wären die Europäischen Gasspeicher bei einem Verbrauch wie im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 im Februar fast und ab März dann gänzlich leer. Um etwa einen durchschnittlichen Füllstand von mehr als 30 Prozent zu garantieren, müssten die Euroländer ihren Gasverbrauch um zehn Prozent reduzieren.

Plädoyer für straffe Geldpolitik

OECD-Generalsekretär Mathias Cormann betonte am Montag, dass eine straffe Geldpolitik notwendig sei, um das Vertrauen der Marktteilnehmer zu garantieren und die Inflationserwartungen zu dämpfen, damit die Reallöhne perspektivisch wieder wachsen können.

Für die Eurozone etwa erwartet die OECD, dass der Leitzins 2023 auf vier Prozent angehoben wird, derzeit liegt er bei 1,25 Prozent. Für die USA, wo der Zins bereits bei 3,00 bis 3,25 Prozent liegt, erwartet die OECD im kommenden Jahr einen Leitzins von 4,5 bis 4,75 Prozent.

Die Fiskalpolitik müsse Härtefälle adressieren, aber darauf achten, nicht gleichzeitig die Nachfrage zu stimulieren. Zudem sollen Hilfsmaßnahmen auslaufen, sobald sie nicht mehr notwendig seien. Zugleich müssten die Staaten sicherstellen, dass der Umstieg auf erneuerbare Energieträger weitergeht, um im Kampf gegen die Klimakrise nicht nachzulassen.

(luis)