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Konzertkritik

Das Brucknerfest zeigt, wie es geht

Schwelgerisch und schmerzlich, kapriziös und groß: Musik der verfemten Komponisten Wellesz, Weigl, Ullmann und Korngold beim Linzer Brucknerfest.

„Rausch und Not, Wahn und Glück: Ach, das ist Gauklers Geschick“, singt der Pierrot in Erich Wolfgang Korngolds „Toter Stadt“. Am Tag nach der gefeierten Linzer Opernpremiere denkt man im Brucknerhaus an das eigene Gauklergeschick des Komponisten – anlässlich seiner „Baby-Serenade“. Mit Anfang 30 schrieb der junge Vater eine Art Miniatur-Variante von Richard Strauss' „Symphonia Domestica“, freilich weniger pompös, sondern sanfter, mit liebevollem Augenzwinkern: Da lugen Ravel, Gershwin und andere beim Fenster des Kinderzimmers herein. Kann schon sein, dass Schönberg gerade sein erstes Zwölfton-Orchesterwerk vorgelegt hat. Bei Korngold passiert den unbekümmert tonalen Melodien nichts, wenn sie in der gepolsterten Zentrifuge des Quintenzirkels durcheinandergewirbelt werden. Und ist Baby brav, tönt das anfangs wie eine G'schicht aus dem Wienerwald, erzählt von einem anderen Strauß: Der Anspielungsreichtum ist so enorm wie vergnüglich. Die Verfemung durch die Nazis, die gottlob geglückte Emigration, die Karriere in Hollywood – und dann genau deshalb die Abstempelung als musikalischer „Gaukler“: All das stand Korngold noch bevor, der mit seinen Scores Rausch und Not, Wahn und Glück der Traumfabrik exemplarisch in Töne zu kleiden wusste.

In eine Walzervergangenheit à la Strauß zurückgeträumt hat sich auch Co-Emigrant Karl Weigl, 1939 in seinen „Tänzen aus Wien“: Da rauschen Paare nicht nur in der imperialen Hofburg übers Parkett, sondern geht es auch nach Art von Scherzi aus Bruckner- oder Mahler-Symphonien deftiger zu . . .