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Morgenglosse

Anton Mattle: Der Gewinner unter den Verlierern

TIROL-LANDTAGSWAHL: ORF DISKUSSION DER SPITZENKANDIDATEN: OBERHOFER (NEOS)/ABWERZGER (FPOe)/DORNAUER (SPOe)/MATTLE (OeVP)/MAIR (DIE GRUeNEN)/OBERHOFER (NEOS)
Die Spitzenkandidaten der Parteien (von links): Dominik Oberhofer (Neos), Markus Abwerzger (FPÖ), Georg Dornauer (SPÖ), Anton Mattle (ÖVP), Gebi Mair (Die Grünen), Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz).APA/EXPA/JOHANN GRODER
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Die Dramaturgie der Tirol-Wahl ist wahrlich ungewöhnlich. Zum Sieger mausert sich der Kandidat mit den größten Stimmenverlusten. Was für ein Twist in dieser Regie der Erwartungen.

Er wird es tatsächlich schaffen, trotz minus zehn Prozentpunkten nicht als großer Verlierer der Tiroler Landtagswahlen in Erinnerung zu bleiben. Dass es Anton Mattle gelungen ist, die Erwartungen konsequent tief zu halten, sodass er selbst 34,7 Prozent als Achtungserfolg verkaufen kann, ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund. Zu seinem Befreiungsschlag tragen auch die Resultate der anderen Parteien bei, die allesamt wie Verlierer wirken.

Die Grünen, weil sie als einzige Liste neben der ÖVP wirklich verloren haben; die SPÖ, weil Spitzenkandidat Georg Dornauer sehr hoch gepokert hat und die Zugewinne geringer ausfielen als von ihm als Ziel ausgegeben – was das Spiel mit Erwartungen angeht, kann er viel von Mattle lernen; die FPÖ, weil sie zwar zweitstärkste Partei wurde, Obmann Markus Abwerzger es mit seiner aggressiven Rhetorik aber noch vor dem Wahlabend geschafft hat, von allen anderen Parteichefs als Koalitionspartner ausgeschlossen zu werden; die Neos und die Liste Fritz, weil sie trotz teilweise beachtlicher Zuwächse nur für Dreierkoalitionen unter ÖVP-Führung infrage kommen, was Mattle aber nicht will. Schon bitter, nicht gebraucht zu werden.

Profit aus dem Wahlergebnis schlagen kann daher vorerst nur die SPÖ, ist sie doch die einzige Option für eine von Mattle bevorzugte Zweierkoalition. Tatsächlich würde Dornauer damit das enttäuschende Abschneiden seiner Fraktion vergessen machen – als Juniorpartner der ÖVP aber den gefährlichsten aller Tiroler Wege beschreiten. Denn in den vergangenen 20 Jahren hat noch keine Partei von einer Zusammenarbeit mit der ÖVP profitiert. Zu groß waren die eingeforderten Zugeständnisse, für die sie bei der nächsten Wahl die Rechnung präsentiert bekamen. Und weitreichende Zugeständnisse wird auch Dornauer machen müssen, denn gänzlich obsolet ist eine Dreierkoalitionen mit den Grünen und der Liste Fritz bzw. den Neos natürlich nicht.

Letztlich deutet also einiges daraufhin, dass Anton Mattle nicht nur nicht als der größte Verlierer aus dieser denkwürdigen Wahl hervorgehen wird, sondern als einziger Gewinner.