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Wahrscheinlich kommt jetzt noch die Bärengrippe

Um die Influenza ist es in diesem Winter bisher verdächtig ruhig. Das macht Hypochonder nervös. Was verschweigt die Pharmaindustrie?

Was ist eigentlich aus der guten alten Schweinegrippe geworden? Ist sie aus den Köpfen der Strategen der Pharmaindustrie wieder zurück in die für sie bestimmten Tierleiber gefahren? Oder wurde sie gar von der Vogelgrippe hinweggerafft, mit deren Rückkehr ich spätestens im Februar rechne?

Man hört nichts mehr von ihr und auch nichts vom Modewort Tamiflu, das Eltern von Hongkong bis Hietzing 2006/7 (Vögel) und 2009/10 (Schweine) in Gewissensnöte brachte: Sollen die Kinder jetzt tatsächlich noch vor dem ersten Anzeichen von Schnupfen mit schweren Virenkillern ruhiggestellt werden, die die böse Flu zähmen, oder vertraut man weiterhin auf alternative Mittel? Im vorigen Winter haben die Skeptiker recht behalten. Die Schweinegrippe war im Vergleich zur gewöhnlichen Grippe relativ harmlos. Seither aber gibt es keine Anzeichen für vorsorgliche Pharmahysterie, und das macht mich als überzeugten Hypochonder leicht nervös. Seit Schulbeginn gab es meines Wissens erstmals seit 2005 keine eindringliche Vorwarnung gegen die böse Influenza, der allein im Winter nach dem Ersten Weltkrieg 20 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Warum schweigen die zuständigen Stellen? Verbergen sie furchtbare Nachrichten? Wahrscheinlich kommt demnächst eine Elch- oder gar die furchtbare Bärengrippe.

Ich google mich durch die gängigen Begriffe und stoße auf einen interessanten Trend. Die größte Textmaschine der Welt „hat festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann“. Wenn panische Googler in Massen das Wort „Influenza“ eintippen, ist sie bereits da, die böse Infektion. Heuer aber sind die Werte so niedrig wie seit der Saison 2005/06 nicht mehr. Die Jahre dazwischen waren im Vergleich dazu hysterisch. Zu Recht; ausgestorben wirkten im Jänner 2009 so manche Büros.

Bei uns zu Hause aber ist pünktlich zum zweiten Advent die ganz gewöhnliche Grippe ausgebrochen. Die Tochter hütet das Bett. Sie wird homöopathisch und mit Hausmitteln gepflegt (fein gehackte Zwiebeln mit Honig, Eukalyptusessenzen und viel Schlaf). Es bleibt genug Zeit, um sich noch einmal Harry Potter, Oliver Twist und den Warrior Cats zu widmen.

 

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2010)