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Leitartikel

Die nächste Bruchstelle im System der Islamischen Republik

(c) via REUTERS (WANA NEWS AGENCY)
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Immer mehr Proteste in kürzer werdenden Abständen bringen das Regime in die Bredouille. Bisher hat Teheran aber jeden Aufstand zerschlagen können.

Es ist ein ganz kurzer Clip, er dauert nur zwei Sekunden. Eine Szene in Teheran, mitten auf der Straße, zwischen den Autos rennen zwei Freundinnen freudig aufeinander zu, umarmen sich, ihre Kopftücher jeweils in ihren Händen schwenkend. Die jungen Frauen haben genug, so viel ist aus diesen zwei Sekunden herauszulesen. Genug von Kleidervorschriften, genug von den restriktiven Moralvorstellungen. Sie beide stehen stellvertretend für die zahllosen Demonstrantinnen (und Demonstranten), die seit über einer Woche dem Regime in der Islamischen Republik die Stirn bieten.

Seit dem Tod der 22-jährigen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini, die unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam verstarb, hat sich der Zorn der Bevölkerung erneut auf die Straße verlagert. Amini wurde verhaftet, weil ihr Kopftuch der Sittenpolizei zufolge angeblich zu locker saß. Aus Protest zerreißen nun Frauen ihre Kopftücher, verbrennen sie gar, sie schneiden ihre Haare ab, sie lassen ihrer Wut freien Lauf, und sie riskieren damit alles: Jobverlust, Ächtung, Verhaftung und letztlich auch den Tod. Von Dutzenden Todesopfern ist seit Aufflammen der Proteste die Rede, dabei hat das Regime noch nicht einmal ihr brutales sicherheitspolitisches Potenzial ausgeschöpft.