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Das große Neubesetzen in der Kultur beginnt: Die Posten im Überblick

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Bleibt Martin Kušej Burgtheater-Direktor und wenn ja, wie lange?(c) Imago/PantherMedia/Bruno Coelho
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Die Salzburger Festspiele suchen eine neue Schauspiel-Direktion, auch Burgtheater, Bregenzer Festspiele, Kunsthalle Wien und Wiener Festwochen brauchen neue Leitungen. Und wer küsst das Heeresgeschichtliche Museum wach?

Das kommende Jahr bringt eine Fülle an neuen Personalia an der Spitze heimischer Kulturinstitutionen. Die Würfel dafür fallen bereits in den kommenden Wochen. Folgend ein Überblick:

 

Burgtheater-Direktion

Noch bis zum 17. Oktober läuft die Bewerbungsfrist für den Posten der Burgtheater-Intendanz ab 1. September 2024. Während Direktor Martin Kušej, der dem Haus seit Herbst 2019 vorsteht, bereits angekündigt hat, sich zu bewerben, werfen ihm Kritiker vor, zu wenig am Haus präsent zu sein und zu wenig Aktivitäten in der Covid-Zeit gesetzt zu haben. Daher halten Beobachter eine Vertragsverlängerung für weniger als die üblichen fünf Jahre für möglich, in der Ausschreibung ist jedenfalls laut Bundestheaterorganisationsgesetz von einer Vertragsdauer von "bis zu fünf Jahren" die Rede. Eine Entscheidung soll laut dem Büro der zuständigen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) "bis spätestens Ende des Jahres" fallen. (Mehr dazu: Bleibt Kušej oder kommt eine Frau?)

Für das Ausschreibungsverfahren wird - anders als damals, als Kušej bestellt wurde - eine Findungskommission gebildet, die nach Sichtung der Bewerbungen "einen (Mehrpersonen-)Vorschlag" erstellt, wie es heißt. Darüber hinaus wird der Auswahlprozess durch eine externe Personalberatung begleitet. Die Bestellung erfolgt nach Anhörung des Aufsichtsrates des Burgtheaters durch die Staatssekretärin für Kunst und Kultur.

  • Amtsantritt: 1. September 2024
  • Vertragsdauer: bis zu 5 Jahre
  • Modus der Bestellung: Findungskommission erstellt (Mehrpersonen-)Vorschlag, Bestellung durch Staatssekretärin
  • Bewerbungsfrist: 17. Oktober

 

Wiener Festwochenintendanz

Bis zum 21. Oktober haben Interessentinnen und Interessenten Zeit, sich für die Intendanz der Wiener Festwochen ab 1. September 2024 (für Festival-Ausgabe 2025) zu bewerben. Gesucht wird eine "erfahrene Persönlichkeit, die sich durch eine erfolgreiche Führungstätigkeit im internationalen Festivalbetrieb bewährt hat" für eine Vertragsdauer von fünf Jahren. Der Belgier Christophe Slagmuylder leitete das Festival ab Sommer 2018 zunächst interimistisch, nachdem sein Vorgänger Tomas Zierhofer-Kin nach nur zwei Festwochen-Ausgaben nach heftiger Kritik seinen vorzeitigen Rückzug bekannt gegeben hatte. Nur wenige Monate später ging Slagmuylder auch aus der regulären Ausschreibung als Sieger hervor und leitet die Festwochen ab 2019 somit regulär.

Genauso wie bei Kušej fiel ein Großteil seiner bisherigen Arbeit in Wien in die Corona-Jahre 2020 und 2021. Eine Jury wird nach Ende der Bewerbungsfrist eine Empfehlung abgeben, die Entscheidung liegt bei der Kulturstadträtin. Slagmuylder hat bereits angekündigt, sich wieder zu bewerben.

  • Amtsantritt: 1. September 2024 (für Festival-Ausgabe 2025)
  • Vertragsdauer: 5 Jahre
  • Modus der Bestellung: Jury übermittelt Vorschlag an Wiener Kulturstadträtin
  • Bewerbungsfrist: 21. Oktober

 

Salzburger Festspiele – Leitung Schauspiel

Vakant ist nach dem für Herbst 2023 angekündigten Abgang von Bettina Hering auch der Posten der Schauspielleitung der Salzburger Festspiele. Eine Ausschreibung ist in diesem Fall nicht vorgeschrieben. Es wird erwartet, dass Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser, an dessen Seite Hering seit 2017 wirkte, im November eine Entscheidung bekanntgeben wird. Laut APA-Informationen setzt man dabei auf eine internationale Besetzung, befindet sich aber noch in einer intensiven Vertragsverhandlungsphase.

  • Amtsantritt: Herbst 2023
  • Modus der Bestellung: keine Ausschreibung, Entscheidung durch Direktorium, Genehmigung durch das Kuratorium, sofern "der monatliche Dienstbezug beziehungsweise das Entgelt den monatlichen Bruttobezug eines Bundesbeamten der Dienstpostengruppe II Gehaltsstufe 1 übersteigt"

 

Heeresgeschichtliches Museum

Schon sehr lange wartet die Fachwelt auf die Bekanntgabe der neuen Direktion für das Heeresgeschichtliche Museum. Nach anhaltender Kritik an dem von M. Christian Ortner geleiteten Haus und dem Einsatz mehrerer Evaluierungskommissionen sollte die Stelle bereits 2019 ausgeschrieben werden, tatsächlich geschah dies jedoch erst im Juni 2022. Die Bewerbungsfrist endete bereits Ende Juli, laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums sind insgesamt 18 Bewerbungen, davon vier aus dem europäischen Ausland, eingelangt. Ob sich auch Frauen beworben haben, konnte man nicht beantworten.

Die Konzepte werden derzeit unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Beirats gemeinsam mit einer unabhängigen Begutachtungskommission gesichtet. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, starten im Anschluss die Hearings. Wann eine Entscheidung fallen soll, ist nicht bekannt. Laut Ministeriumssprecher gibt es keine Frist beziehungsweise einen Zeitpunkt, bis zu dem eine Entscheidung fallen muss. Die Position ist auf eine Dauer von fünf Jahren befristet, wobei Weiterbestellungen zulässig sind.

  • Amtsantritt: ehestmöglich
  • Vertragsdauer: 5 Jahre, Weiterbestellung zulässig
  • Modus der Bestellung: Begutachtungskommission, Bestellung durch die Verteidigungsministerin
  • Bewerbungen: 18, davon vier aus dem europäischen Ausland

 

Universität für angewandte Kunst

Zum 1. Oktober 2023 soll die Universität für angewandte Kunst eine neue Leitung erhalten, nachdem sich Langzeit-Rektor Gerald Bast (seit 2000 im Amt) nicht mehr beworben hat. Bewerbungen sind noch bis zum 1. Oktober dieses Jahres möglich, eine Findungskommission (bestehend aus Unirats-Vorsitzendem Thomas Jakoubek, Senatsvorsitzender Anja Jonkhans, Unirats-Mitglied Andrea Kleibel-Kertsman, Senatsmitglied Helmut Draxler und Helga Nowotny, Wissenschaftsforscherin und emeritierte Professorin der ETH Zürich) entscheidet im Anschluss, welche Bewerberinnen und Bewerber zum Hearing eingeladen werden. Die neue Funktionsperiode dauert laut Ausschreibung vier Jahre, eine zweifache Wiederwahl ist möglich.

  • Amtsantritt: 1. Oktober 2023
  • Vertragsdauer: 4 Jahre, zweifache Wiederwahl möglich
  • Modus der Bestellung: Findungskommission lädt zum Hearing, Universitätsrat bestellt aus dem Dreiervorschlag des Senates
  • Bewerbungsfrist: 1. Oktober 2022

 

Universalmuseum Joanneum

Neun Personen haben sich in diesem Sommer um die wissenschaftliche Geschäftsführung beim Universalmuseum Joanneum beworben, der Amtsantritt erfolgt bereits am 1. Jänner 2023. Somit wird die Entscheidung über die Nachfolge - oder den weiteren Verbleib als wissenschaftlicher Geschäftsführer - von Christian Muchitsch mit Spannung erwartet. Der Auswahlprozess soll bis Mitte Oktober abgeschlossen sein.

Nach einer ersten Sichtung der Bewerbungen durch die Personalberatung lädt eine Findungskommission die aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerber zu einem Hearing ein. Anschließend wird der Generalversammlung der Universalmuseum Joanneum GmbH ein Vorschlag unterbreitet. Ausgeschrieben wurde auch die kaufmännische Leitung, die derzeit Alexia Getzinger verantwortet. Ob sich beide wieder beworben haben, wurde nicht bekanntgegeben.

  • Amtsantritt: 1. Jänner 2023
  • Vertragsdauer: 5 Jahre
  • Modus der Bestellung:Findungskommission lädt zum Hearing, anschließend Vorschlag an Generalversammlung
  • Bewerbungen: 9

 

Arnold Schönberg Center

Vakant ist auch die Leitung des Arnold Schönberg Centers, nachdem die bisherige Leiterin Angelika Möser künftig die künstlerische Verantwortung des ORF-Orchesters RSO übernimmt. Somit wurde die Stelle mit Dienstantritt ab dem 1. Jänner 2023 ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist für den Posten mit einer fünfjährigen Vertragsdauer läuft bis 7. November.

  • Amtsantritt: 1. Jänner 2023
  • Vertragsdauer: 5 Jahre
  • Bewerbungsfrist: 7. November

 

Kunsthalle Wien

Seit Juni 2019 leitet das Zagreber Kollektiv "What, How & for Whom", bestehend aus Ivet Curlin, Sabina Sabolovic und Natasa Ilic, die Kunsthalle Wien. Deren Leitung wurde jüngst ab "frühestens Juni 2024" für eine Dauer von fünf Jahren neu ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Oktober. Der vorherige Leiter Nicolaus Schafhausen hatte sein Amt im Frühjahr 2019 vorzeitig niedergelegt. Auch hier wird es eine Jury geben, die Entscheidung fällt Wiens Kulturstadträtin.

  • Amtsantritt: frühestens Juni 2024
  • Vertragsdauer: 5 Jahre
  • Modus der Bestellung: Jury, Entscheidung durch Wiens Kulturstadträtin
  • Bewerbungsfrist: 31. Oktober

 

Bregenzer Festspiele

Auch bei den Bregenzer Festspielen steht die Neubesetzung der künstlerischen Leitung an. Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge von Elisabeth Sobotka, die das Bodensee-Festival nach der Saison 2024 in Richtung Berlin verlassen wird, startet am 1. Oktober und endet am 12. November. Die Stelle wird für fünf Jahre bis Frühjahr 2027 besetzt. In den Findungsprozess beratend eingebunden seien wie schon 2012 die Personalberatungsagentur Zehnder sowie ein aus Sophie de Lint (Direktorin der Dutch National Opera) und Kaspar Holten (CEO Königlich Dänisches Theater) bestehendes Expertengremium, hieß es seitens des Festivals. Die Entscheidung treffe der fünfköpfige Stiftungsvorstand der Bregenzer Festspiele Privatstiftung unter Führung von Festspielpräsident Hans-Peter Metzler in Abstimmung mit dem Festspielkuratorium.

Man werde den Prozess "in aller Ruhe" angehen, so Metzler zum Ende der heurigen Saison. Von der gesuchten Persönlichkeit wünsche man sich "Mut, Kreativität und großartige Führung", zudem müsse ihm oder ihr klar sein, dass das Spiel am See Herz und Motor des Festivals sei.

  • Amtsantritt: Herbst 2024
  • Vertragsdauer: 5 Jahre
  • Modus der Bestellung: Stiftungsvorstand in Abstimmung mit dem Festspielkuratorium.
  • Bewerbungsfrist: Bewerbungen ab 1. Oktober bis 12. November

 

Diagonale

Auch das Grazer Filmfestival Diagonale sucht nach einer neuen Leitung, nachdem der Vertrag des seit 2016 verantwortlichen Duos Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber zuletzt noch einmal um ein Jahr bis 2023 verlängert wurde. Gesucht wird eine Spitze für die cineastischen Festspiele an der Mur, die sowohl die künstlerischen als auch die kaufmännischen Agenden verantworten soll, das Dienstverhältnis ist zunächst auf vier Jahre beschränkt. Bewerbungen konnten bis zum 2. September eingereicht werden. Eine dreiköpfige Findungskommission, bestehend aus Vertretern der Generalversammlung, lädt demnächst zu Hearings ein, wie es seitens der Diagonale hieß.

Das derzeitige Intendantenduo hat sich nicht mehr um eine Verlängerung beworben und beendet mit der kommenden Festival-Ausgabe (21. bis 26. März 2023) sein Graz-Engagement. Die neue Intendanz wird die Arbeit planmäßig im Sommer 2023 aufnehmen und für das Festival 2024 verantwortlich zeichnen.

  • Amtsantritt: Sommer 2023
  • Vertragsdauer: 4 Jahre
  • Modus der Bestellung: Findungskommission lädt zum Hearing

(APA)