Die heimischen Studiengänge sind in hohem Maß internationalisiert und gelten als Qualitätsgarant der Branche. Geschätzt wird von den Urlaubern vor allem die Persönlichkeit der Dienstleistung.
Mit einer Wertschöpfung von 42,6 Milliarden Euro allein im Jahr 2009 – was einem BIP-Anteil von 15,4 Prozent entspricht – zählt die Tourismus- und Freizeitwirtschaft zu den wichtigsten Industrien Österreichs. Nicht nur heimische Experten sind überzeugt: Was die Qualität der Dienstleistung betrifft, ist die Alpenrepublik anderen Ländern weit voraus. Geschätzt wird von den Urlaubern vor allem die Persönlichkeit der Dienstleistung. Einen wesentlichen Anteil daran haben nicht zuletzt die österreichischen Tourismusausbildungen.
Genauso wie die Tourismusverbände ihre eigenen Konzepte entwickeln, werden auch bei der einschlägigen Ausbildung regionale Ansätze verfolgt, erklärt Christian Vanik, Bildungsreferent der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). „Es gibt keinen Generalplan.“ Gemeinsam hätten sie allerdings die hohe Qualität, denn Österreich gehöre nicht nur bei touristischen Dienstleistungen, sondern auch im einschlägigen Ausbildungsbereich zu den Top-Playern. Dementsprechend rege sei auch der Zustrom aus dem Ausland – angefangen von den Lehrlingsausbildungen bis hin zu höheren Studien.
Individuelles Studieren
Die IMC FH Krems bietet seit nunmehr 15 Jahren das Bachelor- und Masterstudium Tourismusmanagement und Freizeitwirtschaft an. Die anhaltend starke Resonanz führt Wolfgang Vrzal, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft und Freizeitwirtschaft, unter anderem auf die internationale Ausrichtung der Ausbildung zurück. Der Anteil ausländischer Studenten ist groß, Unterrichtssprache ist Englisch. „Ein Vorteil unseres Studiums ist, dass sich jeder Student sein eigenes Profil zurechtzimmern kann“, so Vrzal. So könne etwa nach dem ersten Studienjahr des Bachelorstudiums ein freiwilliges Auslandssemester an einer von 85 Partneruniversitäten absolviert werden. Keineswegs freiwillig sei dagegen das Auslandspraktikum in einem nicht-deutschsprachigen Land im sechsten Semester. Im Vordergrund steht die wirtschaftswissenschaftliche Ausrichtung: „Tourismus ist schließlich ein Business.“ Zu den gefragten heimischen Tourismus-Ausbildungen zählt auch das dreijährige Vollzeitstudium „Bachelor of Business Administration in Tourism and Hospitality Management“ der Modul University Vienna. Auffallend hoch ist auch hier der Anteil internationaler Studenten. Wie Rektor Karl Wöber erklärt, kommt von den derzeit 200 Studenten die Hälfte aus mehr als 50 verschiedenen Ländern. „Geboten wird eine breite betriebswirtschaftliche Ausbildung mit Spezialisierung im Bereich Dienstleistungsmarketing und -management.“ Unterrichtssprache ist auch hier Englisch.
Trends erkennen
Zu den Herausforderungen der Branche zählt Wöber die wirtschaftliche Nutzung neuer Medien sowie die nachhaltige Entwicklung des Tourismus. „In diesen Bereichen haben wir besondere Ausbildungsschwerpunkte.“ Vrzal spricht darüber hinaus auch von „einem strukturellen Trend zu kürzeren Urlauben“. Die Studenten lernen, solche Trends zu identifizieren und zu reagieren. Sich alleine über Qualität zu definieren, reicht nach Angaben von Leo Wörndl heute in der Tourismusbranche nicht mehr aus. „Diese wird ohnehin vorausgesetzt. Viel wichtiger ist es, sich über Erlebnisse gegenüber der Konkurrenz abzusetzen,“ so der Leiter des Masterstudiengangs „Innovation & Management in Tourism“ der Fachhochschule Salzburg.
Dabei gehe es keineswegs um künstliche Inszenierungen, sondern darum, dem Gast eindringliche Selbsterfahrungen zu bieten. Als Beispiele nennt der Experte die Möglichkeit, in Seen mit Trinkwasserqualität zu baden oder Lebensmittel zu genießen, die aus der unmittelbaren Region stammen. Viele „Schätze“ müssten einfach besser in Szene gesetzt werden. Letztlich entscheidet immer der Markt, so Wirtschaftskammer-Experte Vanik. Wie gut Österreich im internationalen Vergleich dasteht, habe nicht zuletzt auch die Krise gezeigt. Die Menschen hätten zwar günstigere Angebote in Anspruch genommen, aber insgesamt nicht auf ihren Urlaub verzichtet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2010)