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Sport-Club

Wie ich ein versperrtes Rad ohne Akku-Flex losbekam

Das rote Rad ist gut gesichert, das graue auch - leider
Das rote Rad ist gut gesichert, das graue auch - leiderBenedikt Kommenda
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Fahrräder an Verkehrszeichen anketten kann von Vorteil sein - solange kein fremdes Rad mitversperrt wird.

Es war ein netter Abend in der Wiener Innenstadt, die Lesung meines Kollegen Wolfgang Böhm aus seinem neuen Buch „Zwischen Brüdern“. Doch als ich zum Heimfahren zu meinem Fahrrad ging, sah ich mich jäh aus der fiktiven Roman-Welt in die nächtliche Realität versetzt: Mein Rad war nicht nur mit jenem Faltschloss gesichert, das ich um den Pfosten eines Einbahnschilds geschlungen hatte, sondern mit noch einem. Dieses verband ein knallrotes, an mein Rad gelehntes Rennrad mit demselben Pfosten, bloß dass der so gebildete Ring durch mein Rahmendreieck verlief. Also kein Entkommen, ohne beide Schlösser zu öffnen.

Sehr ärgerlich. In der Umgebung waren mindestens fünf Lokale, in denen sich die gesuchte Person niedergelassen haben mochte oder auch nicht. Ich sah mich schon ums Heimradeln gebracht, mit der zwingenden Folge, anderntags auch ohne Rad in die Stadt kommen zu müssen. Ich erinnerte mich an einen Vorfall, als ich, von einem Polizisten beobachtet, so ein Schloss mit einer Akku-Flex knackte (geht irritierend leicht). Der Polizist überraschte mich damals nicht, sondern wir hatten ihn herbeigebeten: Es galt, das Rad einer Bekannten von einem Schloss zu befreien, das ein erfolgloser Dieb im geschlossenen Zustand ruiniert hatte.

Wer wird schon ein fremdes Schloss zersägen?

Die Flex war diesmal freilich keine ernsthafte Option. Wer wird denn schon ein fremdes Schloss zersägen? Verlockender war der Tipp eines Kollegen, gleichsam den Spieß umzudrehen und meinerseits beide Räder mit meinem Schloss zu fesseln. Aber was hätte das wieder gebracht außer doppeltem Ärger?

Die befreiende Lösung kam dank einer anderen Kollegin, die zufällig just unter den Gästen der Lesung auf die verantwortliche Person stieß: Einer weiteren lieben Kollegin – übrigens nicht selten hier im Sport-Club präsent – war der ungewollte „Clinch“ unserer Räder, wie sie ihn nannte, sehr peinlich. Das war mir dann wieder peinlich, aber die Heimfahrt war gerettet. Ach ja, noch einen Tipp hatte jemand parat: Schreib eine Kolumne!

E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com