Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ausstellung

Zu Besuch im alten Tröpferlbad

Ko-Kuratorin Alina Strmjan in den Original-Duschkabinen des einstigen Tröpferlbads – im heutigen Bezirksmuseum Wieden.(c) Carolina M. Frank
  • Drucken

In den Original-Duschkabinen des einstigen „Volksbades“ auf der Wieden widmet sich eine neue Dauerausstellung der Geschichte der Wiener Bade- und Hygienekultur.

Heute würde man es wahrscheinlich Pilot-Projekt nennen. Damals, im Dezember 1887, nannte man es „Probe-Douchebade“.

Mit ebendiesem, eröffnet in einem ehemaligen Armenhaus in der Mondscheingasse in Neubau, wollte man ausprobieren, ob die Wienerinnen und Wiener überhaupt kommen würden, um öffentlich und kostengünstig zu duschen. Nun: Sie kamen. (Wenn auch zunächst fast nur Männer.) An manchen Tagen wurden mehr als 1000 Badekarten ausgegeben.

Weshalb der Gemeinderat beschloss, in jedem Bezirk ein sogenanntes „Volksbad“ zu errichten, um der Bevölkerung zumindest einmal in der Woche eine hygienische Körperpflege zu ermöglichen, die in ihren desolaten Wohnverhältnissen nicht möglich war. Weil die Volksbäder so gut besucht waren, dass ihnen oft das Wasser ausging, es also nicht selten nur noch aus der Brause tropfte, bekamen diese Einrichtungen ihren wienerischen Namen: Das Tröpferlbad.

Der Geschichte der Tröpferlbäder, die gleichzeitig auch eine von (mangelnder) Hygiene, daraus bedingten Krankheiten, aber auch Verbesserungen im Gesundheitswesen und der Wasserversorgung in der Stadt ist, widmet sich nun das Bezirksmuseum Wieden in einer neuen Dauerausstellung. Das Besondere: Das Haus in der Klagbaumgasse, in dem das Bezirks- wie auch das Rauchfangkehrermuseum untergebracht sind, war einst, von 1893 bis 1978, selbst ein Tröpferlbad.

Ausstellung in den Duschkabinen

Weshalb man die neue Ausstellung nun auch direkt im Original-Brauseraum der Männer, dem einzig erhaltenen Teil des Bads, im ersten Stock angesiedelt hat. Exponate und Schautafeln finden sich großteils in den einzelnen Duschkabinen.

Für die Kunsthistorikerin Alina Strmljan, die die Ausstellung gemeinsam mit Bezirksmuseums-Leiter Philipp Maurer kuratiert hat, war es „eine wundervolle kuratorisch Aufgabe“, die Ausstellung über Tröpferlbäder in einem solchen realisieren zu können und „den Ort als historische Quelle zu begreifen“.

Mangelnde Hygiene

Entstanden ist die Idee zur Ausstellung durch Gespräche mit Jugendlichen, die sich erstaunt zeigten, dass der heute selbstverständlicher Komfort eines Badezimmers in (fast) jeder Wohnung eine relativ junge Errungenschaft ist: In Wien bekamen erst ab den 1950ern Neubau-Wohnungen standardmäßig Badezimmer, Altbauten hatten noch länger oft nur Duschnischen in der Küche.

Davor, speziell vor und um die Jahrhundertwende, waren die hygienischen Möglichkeiten der stark wachsenden Wiener Bevölkerung in den eigenen vier Wänden häufig begrenzt. Mit desaströsen Folgen, wie der Ausbreitung der Tuberkulose. Weshalb Wien die Idee des Berliner Arztes Oscar Lassar aufgriff, der öffentliche Duschbäder als einfache Methode zur Verbesserung der Hygiene propagierte.

Durchaus mit Erfolg. Die Tröpferlbäder, die ersten nach dem „Probe-Douchebade“ entstanden in Margareten und Favoriten, wo die Hygiene der Bevölkerung, vorrangig Arbeitern besonders schlecht war, wurden überrannt.

Weshalb der Besuch auch streng geregelt war, wovon zahlreiche historische Schilder in der Ausstellung erzählen. „Der Badegast ist nicht berechtigt, sich in dem Brauseraume länger als 30 Minuten aufzuhalten“, ist etwa in einer Badeordnung nachzulesen.

Zahlreiche Schilder aus früheren Tröpferlbädern sind zu sehen.(c) Carolina M. Frank

 

Geduscht wurde in streng nach Geschlechtern getrennten Brauseräumen, Privatsphäre – etwa durch Vorhänge oder Kabinentüren– gab es nicht. Männer bekamen mit der Eintrittskarte eine Art Lendenschurz, den sie auch in der Dusche tragen mussten, Frauen eine Duschschürze, die auch den Oberkörper bedeckte. Beides kann man in der Schau auch ausprobieren: Das Label Hybrid Dessous hat die Badeschürzen von damals nachgeschneidert.

Frauen kamen seltener in die Tröpferlbäder, erzählt Ko-Kuratorin Strmljan. „Vermutet wurde, dass die Frauen zu schamhaft waren“, um sich öffentlich auszuziehen. Weshalb viele Tröpferlbäder nachträglich Einzel-Umkleidekabinen bekamen und es folglich Baderäume „1. Klasse“ und „2.Klasse“ gab. Den Frauenanteil hob dies aber nicht maßgeblich.

Das Rote Wien setzte ab 1919 dann verstärkt auf den Bau von Hallen-, Frei- und Familienbäder. Aber auch Tröpferlbäder eröffneten weiterhin, diese wurde komfortabler und etwa auch mit Saunas oder Wannenbädern ausgestattet.


In den 1970ern schlossen dann die meisten – immer mehr Wienerinnen und Wiener hatten nun ihre eigenen Duschen zuhause. Wobei das letzte Tröpferlbad erst 1997 (!) in einem Gemeindebau im 16. Bezirks als Brausebad eröffnet wurde – und bis heute besteht.

Auf einen Blick

„Im Tröpferlbad. Geschichten von Gesundheit und Hygiene“ im Bezirksmuseum Wieden (4. Klagbaumgasse 4.) im Original erhaltenen Duschraum des dortigen früheren Tröpferlbads. In der Eröffnungswoche (Do 29.9. und Fr 30.9. von 14 bis 19 Uhr geöffnet, öffentliche Führung um 14 Uhr sowie während der Langen Nacht der Museen am Samstag.

Regulär geöffnet Di (10 bis 12), Mi 16.30 bis 18.30 Uhr. Eintritt frei. www.bezirksmuseum.at