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Film

"Don't Worry Darling": Fantasie? Utopie? Misogynie!

Mit Harry Styles im Glück, kann das Sünde sein? Ja, laut Olivia Wildes Film „Don't Worry Darling“.
Mit Harry Styles im Glück, kann das Sünde sein? Ja, laut Olivia Wildes Film „Don't Worry Darling“.(c) Warner
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Der Mysterythriller „Don't Worry Darling“ ergründet die dunklen und chauvinistischen Seiten eines trügerischen Fifties-Idylls. In der Göttergattenrolle: Pop-Idol Harry Styles.

Chaos, meint der mysteriöse Guru Frank (Chris Pine) in „Don't Worry Darling“, sei ein scheußliches Wort. Während er sich in gespieltem Ekel schüttelt, kudern seine Jünger eilfertig zur Bestätigung – denn Franks Wort ist Gesetz. Dabei wirkt seine Welt zunächst gar nicht despotisch: eine florierende 1950er-Modellstadt in der Wüste, wo Männer in glänzenden Cadillacs und adretten Zweireihern topmotiviert in die Arbeit düsen – und Frauen sich freudestrahlend und Cocktail-beglückt um den Pool scharen. Palmen ragen über Bungalows aus Naturstein zum blauen Himmel auf, die Bettlaken sind immer frisch, die Esstische ächzen unter saftigen Steaks. Darauf, dass hier etwas nicht stimmt, deuten nur drei kleine Dinge hin: Franks salbungsvoller Sekten-Sprech, das nervöse Lachen seiner Gäste. Und dass wir heuer das Jahr 2022 schreiben.

Denn niemand, der sich heute ins Kino begibt, wird überrascht sein, dass sich das dezidiert unfeministische Retro-Idyll von Olivia Wildes Regie-Zweitling sukzessive als Fata Morgana entpuppt. Für das junge Publikum, das der Mysterythriller ansprechen will, sind die Fifties kein Sehnsuchtsort, Vintage-Modetrends hin oder her. Zu verzopft wirken die schmucken Eigenheim-Oberflächen der US-Nachkriegswelt auf die woke Generation Z. Wie sollen sie da als Camouflage für ein Komplott funktionieren, das selbst die Hauptfigur Alice (Florence Pugh) von Weitem zu wittern scheint?

Vieldiskutiert ist Wildes Film dennoch. Vor allem wegen Klatsch und Tratsch um Popidol Harry Styles, der hier Ernst macht mit seiner Schauspielkarriere („Die Presse“ berichtete). Als Göttergatte darf er Alice in einer erfrischend unverschämten Oralsex-Szene zum Höhepunkt bringen. Und, als das Drama sich zuspitzt, ein bisserl gequält das Gesicht verziehen. Interessanter sind seine Auftritte im Endspurt des Plot-Parcours, wo sich auch Wildes Kritik an misogyner Denke schärft. Was lang wie eine Neuauflage der „Frauen von Stepford“ wirkt, geht später mit jüngerem Männerrechts-Mumpitz ins Gericht. Laut Wilde diente der rechte Internet-Demagoge Jordan Peterson als Vorbild für den konservativen Propheten Frank.