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Gastkommentar

Die EU sollte ihren Blick in Richtung Bosnien lenken

In Bosnien wird am Sonntag gewählt, Hoffnung und Zuversicht fehlen.

Bedrana Ribo, geboren 1981 in Travnik, Bosnien und Herzegowina, lebt seit 1992 in Österreich. Seit 2019 ist sie Abgeordnete der Grünen im Nationalrat.

Egal in welchem Land, vor einer Wahl ist die Stimmung in der Bevölkerung immer besonders. Es ist ein Kribbeln zu spüren. Die Wählerschaft hofft, dass sich etwas verändert – oder gar verbessert. Auch in Bosnien und Herzegowina, wo am kommenden Sonntag gewählt wird, spürt man die Wahlen in der Luft. Was aber fehlt, sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Wahlplakate der drei nationalistischen Parteien unterscheiden sich kaum. „Wir, wir, wir“ liest man überall – und das, obwohl in diesem Land alles möglich ist, nur nicht ein gemeinsames „Wir“. Fragt man die Menschen, was sie sich von der Wahl erwarten, lautet die Antwort: „Nichts!“ Was soll sich schon ändern? Es bleiben doch dieselben an der Macht, lautet der Tenor.

Bosnien hat eine der kompliziertesten Staatsstrukturen weltweit, die auf den Vertrag von Dayton aus dem Jahr 1995 zurückgehen. Heute ist das Land fragil, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt weit über 50 Prozent. Korruption ist allgegenwärtig. Allein in den letzten beiden Jahren haben über 250.000 Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft Bosnien in Richtung Westen verlassen. Von diesem Braindrain profitiert in erster Linie die EU. Gut qualifiziertes Personal ist willkommen, alle reißen sich um billige und fleißige Arbeitskräfte.