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Lebensmitteltechnologie

Fliegenlarven sind ein guter Ersatz für Rind, Schwein oder Fisch

In der Insektenzucht legen Schwarze Soldatenfliegen viele Eier, aus denen die Larven schlüpfen.
In der Insektenzucht legen Schwarze Soldatenfliegen viele Eier, aus denen die Larven schlüpfen.[ Wikimedia ]
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Die Insektenzucht liefert wertvolle Proteine und Fette: eine Alternative für andere tierische Produkte. In Wels werden pro Tag drei Tonnen Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie als Insektenfutter genutzt. Die gemahlenen Larven sind dann Futter für größere Tiere.

Dass Insekten gut zu essen sind, ist ja nur in unserem Kulturkreis gewöhnungsbedürftig“, sagt Otmar Höglinger, Professor für Biochemie an der FH Oberösterreich in Wels. In anderen Erdteilen sieht man Insekten als wertvolle Nahrung an. Langsam kommt auch in Österreich Schwung in die industriellen Brutstätten der Tierchen. Denn ihre Fette und Proteine sind eine klimafreundliche Alternative zu anderen tierischen Produkten: Bei der Aufzucht von Insekten wird weniger Wasser, CO2 und Land verbraucht als bei Rindern, Schweinen oder Hühnern. Die FH Wels will in einer zukunftsträchtigen Kooperation Insekten als Futtermittel besser etablieren. Die Zusammenarbeit mit dem Welser Unternehmen Insektianer GmbH, das Insekten als Nutztiere einsetzt, ist auch eine Antwort auf die Knappheit von Futter- und Düngemitteln. „In dem Projekt arbeiten Hochschule und Industrie eng zusammen, um neue Dinge zu entwickeln: Unsere Studierenden können sehr früh Praxisluft schnuppern“, sagt Höglinger, der den Studiengang Lebensmitteltechnologie und Ernährung leitet.

In der Pilotanlage wachsen Zigtausende Fliegen und Maden: Die Schwarze Soldatenfliege ist eine zugelassene Futtermittel-Lieferantin – die Zulassungsprozesse der EU, damit sie auch ein Lebensmittel für Menschen sein kann, laufen derzeit. Die ausgewachsenen Fliegen sind als Eltern der eigentlichen Proteinlieferanten, der Larven, wichtig: Die Zucht der Fliegen ist also notwendig, damit diese viele Eier legen, aus denen dann die Maden bzw. Larven schlüpfen.

Die ein bisschen wurmförmig aussehenden Larven sind es, aus denen man wertvolle Fette und Proteine herausholt. Was fressen diese Maden, um dick und fett zu werden und eine gute Ernte abzugeben? „Hier nutzen wir Restströme aus der Lebensmittelindustrie“, sagt Höglinger. Man darf dazu nicht Abfall sagen, denn genau das wollen die Lebensmitteltechnologen ja vermeiden. „Eine der größten Herausforderungen ist es, die Restströme aus der Lebensmittelindustrie hygienisch einwandfrei zu übernehmen, sodass sie nicht zu Abfall werden.“ Denn die Auflagen, wie rein eine Insektenzucht gefüttert werden muss, sind streng, und es wäre Verschwendung, wenn wertvolle Reste nicht sauber genug sind, um als Larvenfutter durchzugehen. Die Herkunft der Lebensmittelreste ist breit gefächert: „Sie kommen aus der Produktion von Brot, Gemüse, Obst oder von Pressrückständen der Saftindustrie, also Trester“, sagt Höglinger. Drei Tonnen Reststoffe pro Tag braucht die Anlage in Wels für die Aufzucht der Larven und Fliegen. „Die geplante neue Anlage ist um ein Vielfaches größer. Diese Mengen in hygienisch einwandfreier Form herzubringen, ist eine große Herausforderung.“ Auch die korrekte Haltung der Tierchen bei optimaler Luftfeuchte und Temperatur ist ein Aspekt, der über Erfolg und Nicht-Erfolg entscheidet. „Da braucht man die richtige Technologie. Sonst ist das nicht nachhaltig“.

Fische, Hühner und Hunde fressen das

Und welche Produkte kriegt man aus der Zucht der Soldatenfliegen-Larven heraus? Erstens können Insektenproteine und -fette als Ersatz für Fischmehl dienen. So hilft man, die Überfischung der Ozeane zu verringern, weil in Fischzuchten statt Fischreste-Mehl zermahlene Fliegenlarven gefüttert werden. Auch Hühnerfutter wird gut mit Insektenmehl verfeinert. „Und Hundefutter ist eine wichtige Stoßrichtung. Da ist der Anteil der Schlachtabfälle durch Insektenprotein ersetzbar“, sagt Höglinger. An der FH Wiener Neustadt entwickelt z. B. derzeit Gloria Castka mit ihrem Start-up „gs'hund“ Leckerlis für Hunde, die aus Proteinen der Schwarzen Soldatenfliege bestehen.