Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Soziales Engagement

Ehrenamt als Teil des Studiums

Engagement in gemeinnütziger Tätigkeit bildet die Persönlichkeit und zeigt, dass die Teilnehmenden bereit sind, auch soziale Verantwortung zu übernehmen.
Engagement in gemeinnütziger Tätigkeit bildet die Persönlichkeit und zeigt, dass die Teilnehmenden bereit sind, auch soziale Verantwortung zu übernehmen.Getty Images/iStockphoto
  • Drucken

Freiwillige gemeinnützige Dienste werden zunehmend für das Studium angerechnet. Unis und FH sehen das Ehrenamt auch als Know-how-Erwerb.

Freiwilliger Einsatz bei Feuerwehr, Rettung, der Bekämpfung der Pandemie oder freiwillige soziale Arbeit in Frauenhäusern, der Flüchtlings- und Obdachlosenhilfe – all das kann man sich an der Johannes-Kepler-Universität in Linz als Studienleistung anrechnen lassen. Diese Option, unterstützt durch das Unabhängige Landes-Freiwilligenzentrum, findet immer größeren Anklang, sagt Vizerektor Stefan Koch. Wurden 2020 fünf Anrechnungen vorgenommen, so waren es im Sommersemester 2022 bereits fast 50. Die Liste an möglichen Ehrenämtern wird sukzessive länger.

Kein Ersatz für Pflichtfächer

Bis zu vier ECTS-Punkte gibt es dafür – in Studien von Artificial Intelligence über Rechtswissenschaften und Medizin bis hin zu jenen mit Wirtschaftsschwerpunkt. Warum wird freiwilliges Engagement in so unterschiedlichen Fächern als Studienleistung anerkannt? „Die Universität ist nicht nur Raum für Wissensvermittlung“, sagt Koch, „ebenso wichtig sind die persönliche Entwicklung eines Menschen und sein Beitrag für die Gesellschaft.“ Er hält fest: „Freie Studienleistungen substituieren keine Pflichtveranstaltungen. Die Fachausbildung steht im Studium im Vordergrund. Aber eine zusätzliche Perspektive erweitert die Kompetenzen. Zudem stellen junge Menschen die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit mehr und mehr in den Vordergrund.“ Der 22-jährige Simon Dorrer, Student der Elektronik und Informationstechnik, arbeitet etwa ehrenamtlich bei der Lebenshilfe Niederösterreich: „Ich entwickle mich so auch sozial und mental weiter.“

An der FH Salzburg kann im Studiengang Holztechnologie und Holzwirtschaft im Rahmen von Portfolio-Fächern im Bereich Kommunikation und interkulturelle Kompetenz ehrenamtliches Engagement angerechnet werden. Mit dem Augenmerk auf derartigen Social Skills nimmt man laut Vizerektorin Ulrike Szigeti nicht zuletzt Anleihen am nordamerikanischen Modell. Der Fremdsprachenfokus wurde im Studienplan zugunsten von mehr Wahlfreiheit adaptiert. „Mehr Freiheit in der Wahl fördert die Selbstständigkeit“, sagt Szigeti. Sprachliche Kompetenzen bleiben im Fokus, können aber auch ehrenamtlicher Deutschunterricht für Flüchtlinge bedeuten. Im Rahmen der Portfolio-Betreuung steht Reflexionsarbeit über das Projekt auf dem Programm. Anrechenbar sind sechs ECTS-Punkte über drei Semester.

Auch an der WU Wien können als Wahlfächer extracurriculare Angebote angerechnet werden: Im Rahmen von Service-Learning-Projekten soll gesellschaftliches Engagement mit der Schulung fachlicher, methodischer und sozialer Kompetenzen verknüpft werden. Bereits 2010 wurde mit der Caritas Wien und der Rewe Group die Initiative „Lernen macht Schule“ ins Leben gerufen, die den Austausch zwischen Studierenden und jungen Menschen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen fördern soll.

Erstere fungieren dabei als Lern- oder Sportbuddys. Supervision und Coaching begleiten das Programm, dafür gibt es bis zu drei ECTS-Punkte pro Semester. „WU-Absolventen haben die Chance, durch zusätzliches Engagement als jene Führungskräfte der Zukunft aufzufallen, die an persönlicher Weiterbildung arbeiten und die sich auch für soziale Belange einbringen“, sagt Rektorin Edeltraud Hanappi-Eggerya.

Für Margit Reitbauer, Studiendekanin der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Karl-Franzens-Universität Graz, hat das Thema des sozialen Engagements vor allem seit der Pandemie an Präsenz gewonnen. Außerordentlicher Zivildienst und freiwilliges Sozialjahr können als berufsorientierte Praxis im Rahmen der freien Wahlfächer mit maximal zwölf ECTS-Punkten anerkannt werden. Die Praxis ist von den Studiendirektoren oder Studiendekanen zu genehmigen, der Antrag wird mit der Bestätigung der jeweiligen Organisation im Nachhinein gestellt.

Wohlwollende Erledigung

„Das wird wohlwollend erledigt. Wir führen keine Statistiken, aber unter den rund 9000 Studierenden an unserer Fakultät gibt es rund 250 Anträge pro Jahr“, sagt Reiterbauer. An der Naturwissenschaftlichen Fakultät haben sich Studierende vor allem während der Flüchtlingskrise ehrenamtliche Arbeit anrechnen lassen. „Während Corona haben viele in Testzentren gearbeitet. Seither gab es meines Wissens keine Anträge“, sagt Nawi-Studiendekanin Ursula Athenstaedt. Bei den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird die Möglichkeit „derzeit nicht aktiv beworben, wir gehen aber großzügig damit um“, so Studiendekan Heinz Königsmaier. Nachsatz: Wenn Relevanz für das Studium gegeben ist.

Auf einen Blick

Ehrenamtliches Engagement wird an immer mehr Universitäten und Hochschulen auch als Studienleistung anerkannt. Allerdings nicht als Ersatz für Pflichtfächer, sondern im Rahmen der Wahlfächer. Die Kriterien hierfür wurden teilweise flexibler gestaltet. Das Ausmaß der möglichen Anrechnung beträgt typischerweise wenige ECTS-Punkte pro Semester.

Als Motivation für die Anrechnung der sozialen Arbeit werden Persönlichkeitsbildung, die Erweiterung des Erfahrungshorizonts und je nach konkreter Tätigkeit auch die Stärkung von sozialen und Kommunikationsfähigkeiten genannt. Zudem kann etwa bei Arbeit in Corona-Testlabors auch direkt studienrelevante Praxis erworben werden.