Der ökonomische Blick

Wie sich die Väterkarenz auf Gleichstellung am Arbeitsmarkt auswirkt

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Eine gleichmäßigere Aufteilung der Kinderbetreuung hat viele Vorteile. Die Politik könnte die Entwicklung mit einer Umgestaltung der Regelungen der Elternkarenz und des Kinderbetreuungsgeldes vorantreiben.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt ist noch lange nicht erreicht. Nach wie vor beobachten wir zahlreiche Gender Gaps am Arbeitsmarkt. Zwar ist die Erwerbsquote von Frauen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, aber etwa die Hälfte aller beschäftigten Frauen arbeitet in Teilzeit – während das nur etwa zwölf Prozent der Männer tun. Während sich der Gender Gap in der Erwerbsbeteiligung also stark verringert hat, ist der Gender Gap in der wöchentlichen Arbeitszeit nach wie vor sehr hoch.

Der hohe Anteil der Teilzeit-Erwerbstätigkeit hat für Frauen aber viele Nachteile: In Teilzeitjobs werden pro Stunde geringere Löhne gezahlt und es gibt schlechtere Karriereperspektiven. So liegt der Anteil von Frauen in den Geschäftsführungen der größten 200 Unternehmen in Österreich immer noch unter 10 Prozent. Der Gender Pay Gap, also die Differenz der Brutto-Stundenverdienste von Männern und Frauen, liegt in Österreich nach wie vor über 15 Prozent.

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Dies ist jedoch ein Durchschnittswert – nicht für alle Gruppen von Beschäftigten ist der Gender Pay Gap gleich hoch. Besonders auffallend sind die Unterschiede nach Altersgruppen: Bei Beschäftigten unter 30 Jahren liegt in Deutschland der Gender Pay Gap bei etwa acht Prozent. Er steigt ab dem Alter von 30 Jahren stark an und erreicht für Beschäftigte im Alter von etwa 45 Jahren sein Maximum mit 24 Prozent. Diese Entwicklung lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass für Frauen ab dem Alter von 30 Jahren im Durchschnitt kaum mehr ein Lohnwachstum zu beobachten ist, während die Durchschnittslöhne von Männern zwischen dem Alter von 30 und 45 Jahren stark wachsen.

Dass das Lohnwachstum ab dem Alter von 30 Jahren bei Frauen abnimmt, hängt unter anderem damit zusammen, dass ab diesem Alter – in etwa dem Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes – die unbezahlte Sorgearbeit für viele Haushalte stark zunimmt, und die ist nach wie vor ebenfalls sehr ungleich zwischen Männern und Frauen verteilt – Stichwort: Gender Care Gap. Dieser bezeichnet den Unterschied in der unbezahlten Sorgearbeit, also beispielsweise Kinderbetreuung, Haushaltstätigkeiten und Pflege von Angehörigen. Empirischen Studien für Deutschland zufolge ist der Gender Care Gap sehr groß: Frauen leisten in etwa eineinhalb Mal so viel unbezahlte Sorgearbeit wie Männer, bei Paaren mit Kindern unter drei Jahren im Haushalt, sogar noch deutlich mehr. Da sich in genau dieser Lebensphase auch die Geschlechterunterschiede auf dem Arbeitsmarkt beginnen auszuprägen, vor allem bei Löhnen und Arbeitszeit, liegt es nahe, staatlicherseits eine gleichberechtigte Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit zu fördern, um die Gender Gaps auf dem Arbeitsmarkt zu vermindern.

Anreize durch die Politik

Eine Möglichkeit für die Politik, eine gleichmäßigere Aufteilung speziell der Kinderbetreuung zu fördern, liegt in der Gestaltung der Regelungen der Elternkarenz und des Kinderbetreuungsgeldes. In den derzeitigen Regelungen der Elternkarenz und des Kinderbetreuungsgeldes gibt es einen kleinen Anreiz, sich die Elternkarenz unter Vätern und Müttern aufzuteilen: Wenn beide Elternteile Karenz nehmen, verlängert sich beim einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld die Bezugsdauer um 2 Monate. Dazu kommt noch ein sogenannter Partnerschaftsbonus, wenn sich die Elternteile die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes mindestens im Verhältnis 60:40 aufteilen. Ähnliche Modelle sind auch im Rahmen des Elterngeldes bzw. der Elternzeit in Deutschland in Kraft. Empirische Studien haben gezeigt, dass sich dadurch der Anteil der Väter, die in Elternkarenz gehen, zwar erhöht hat. Die allermeisten Väter nehmen allerdings meist nur zwei Monate. Eine Möglichkeit wäre es also beispielsweise, diese Quote sukzessive zu erhöhen, bis eine hälftige Aufteilung der Elternkarenz zwischen beiden Elternteilen erreicht ist.

Eine gleichmäßigere Aufteilung der Kinderbetreuung bereits im ersten Lebensjahr eines Kindes hat zahlreichen internationalen Studien zufolge viele Vorteile: Väter, die in Elternkarenz waren, übernehmen auch nach dieser Zeit mehr Kinderbetreuung zu Hause. Zudem wurden auch positive Effekte auf die Entwicklung von Kindern nachgewiesen. Mütter, deren Partner in Elternkarenz war, haben weniger gesundheitliche und psychische Probleme, und sie haben – und das ist aus Sicht der Gleichstellung am Arbeitsmarkt sehr relevant – nach ihrer eigenen Elternkarenz höhere Löhne. Mehr Väter in Elternkarenz könnten also einen wichtigen Schub für mehr Gleichstellung zu Hause und am Arbeitsmarkt bringen.

Die Autorin

Katharina Wrohlich ist Professorin für Öffentliche Finanzen, Gender- und Familienökonomie an der Universität Potsdam und Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Katharina Wrohlich
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