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Expedition Europa

Kasachstan und seine Russen

Russische Staatsbürger warten in Almaty auf ihre Registrierung (Archivbild).
Russische Staatsbürger warten in Almaty auf ihre Registrierung (Archivbild).(c) REUTERS (PAVEL MIKHEYEV)
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Ob er keine Angst habe, wurde ein junger Mann im wehrpflichtigen Alter gefragt, gerade jetzt nach Russland zurückzukehren? Er antwortete: „Da gibt's nichts zu befürchten.“

Es war ein Zufall, dass ich die ersten Tage nach Putins Mobilmachung in Kasachstan verbrachte und mich auf dem großen Schachbrett der Geopolitik wiederfand. Meine Ambition war viel bescheidener gewesen: Da meine Serie nun mal „Expedition Europa“ heißt, fühlte ich mich verpflichtet, auch den Westteil Kasachstans aufzusuchen, der geografisch zu Europa gehört. Dieses Gebiet macht zwar nur fünf Prozent des neuntgrößten Landes der Erde aus, ist aber immerhin so groß wie die Tschechoslowakei.

So kam ich nach Atyrau, in die Schaltzentrale von Kasachstans Öl- und Gasförderung, die ihre Bevölkerung auf mehr als 300.000 verdoppelt hat, seit das sechstgrößte Ölfeld der Welt unter Federführung von US-Konzernen ausgebeutet wird. Atyrau liegt halb in Europa und halb in Asien.

Die meisten Kasachen kennen Europa sehr schlecht, haben nie von seinem Anteil an Europa gehört und fragen Österreicher tatsächlich nach Kängurus – sind aber Spezialisten für die „russische Welt“. Kasachstan teilt mit Russland die längste ununterbrochene Landgrenze der Welt und – ein gutes Drittel der ethnischen Kasachen sind russische Muttersprachler – auch die Sprache. Besonders in der südlichen Oasen-Metropole Almaty traf ich einen authentisch eurasiatischen Menschenschlag an, der sich nach europäischen Moden kleidete und bewegte, literarisches Russisch sprach und sich erst aus nächster Nähe als asiatisch entpuppte.