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Unterwegs

Strom- und Gassparen in Berlin

Wenn man nicht über Heizschwammerl redet, sondern über geschlossene Türen und dunkle Plätze.

Es gibt Aufreger, die sich mit etwas Abstand nur schwer verstehen lassen. Das Heizschwammerl ist so eines: Aus Wiener Tagen stammt die Erinnerung, dass die Beheizung der kalten Luft außerhalb eines Restaurants in der Kulturkampfliga ihren fixen Platz hat. Irgendwo zwischen drinnen rauchen und der Frage nach dem Recht auf ein tägliches Schnitzel.

In Berlin müssen sich Veganer nicht mehr erklären. Unter den besten Restaurants der Stadt befinden sich vegane – sie sind wochenlang ausgebucht. In vielen Bars wird dafür weiterhin geraucht. Auch die Sache mit dem Heizschwammerl wirkt hier seit Kurzem wie aus einer Parallelwelt stammend. Schließlich haben die öffentlichen Anstrengungen zum Strom- und Gassparen in Berlin längst das Stadtbild erreicht: Von der Goldelse bis zum Brandenburger Tor hat die Stadtverwaltung auf Zuruf des Gesetzgebers die Beleuchtung abgeklemmt. Beleuchtete Werbemittel müssen um 22 Uhr ausgeschaltet werden, was aber niemand kontrolliert. Es ist ja immer noch Berlin.

Den Geschäften ist es untersagt, ihre Türen wie üblich weit zu öffnen. Es könnte Wärme entweichen. Weswegen immer wieder Zettel an der Tür darauf hinweisen, dass hier geöffnet ist – teilweise mit dem stolzen Hinweis, mit der geschlossenen Türe etwas Energie zu sparen.

Die kalte Luft draußen mit Strom oder Gas zu beheizen? In Deutschland diskutieren die Städte und Dörfer, ob sie dieses Jahr die Weihnachtsbeleuchtung auspacken oder sich einen Eislaufplatz leisten können. Wenn es draußen kalt ist, gehen die Berliner halt rein. Dort dürfen sie dafür manchmal noch rauchen.

christoph.zotter@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2022)