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Wacker Innsbruck: Der Tiroler Winter wird eiskalt

Wacker Innsbruck Tiroler Winter
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Andreas Pranter)
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Aufsteiger Wacker Innsbruck muss mit ernsthaften Schwierigkeiten im Lizenzverfahren rechnen. Wie der Lask oder SKN St. Pölten. Und die Fußballergewerkschaft kämpft gegen Strukturprobleme der Fußballbundesliga.

Wolfgang Katzian macht sich keine Sorgen. Der Chef der größten Gewerkschaft im Land (GPA, Privatangestellten) leidet bloß unter der Wirtschaftskrise. Katzian: „Die hat es noch ein wenig schwieriger gemacht, Sponsoren aufzutreiben.“ Unmöglich aber auch nicht, sonst würde das Stadion, in dem Katzians Nebenbeschäftigung, die Wiener Austria, kickt, nicht künftig nach der Versicherung „Generali-Arena“ heißen. Der Ko-Sponsor hat sein Engagement gerade rechtzeitig aufgestockt. In einem Monat erhalten die Bundesligaklubs nämlich die Unterlagen für die Lizenzbewerbung. Die Austria muss sich angeblich an einen strikten Sanierungskurs halten, um die Liga-Kontrollore nicht zu beunruhigen.

Sie hat sich eine neue Osttribüne und eine neue Akademie geleistet. Die Stadt Wien hat mit rund acht Millionen Euro geholfen (Rapid erhielt im bewährten Förder-Foxtrott ein vergleichbares Sümmchen für vergleichbare Infrastrukturmaßnahmen.) „Das Geld steckt in nachhaltigen Maßnahmen und nicht in Fußballern“, rechtfertigt Katzian die Tatsache, dass die Austria derzeit vier Millionen Euro weniger als null in der Kassa hat.

Bis zu den Iden des März 2011 müssen die Vereine die Haushaltsvoranschläge für 2011/2012 abgeben. Ende April steht fest, ob ein Klub die Lizenz erhält oder nicht. Abgeblitzte können protestieren und Sponsoren nachreichen. Mit einer bloßen Budgetprüfung wird die Austria nicht davonkommen. Katzian: „Wir werden das Minus schrittweise rückführen, das war immer so geplant.“ Selbst wenn er der Kampfmannschaft Verstärkungen spendiert hat.


Das Double am Tabellenende. Bundesliga-Geschäftsführer Georg Pangl macht sich um die Austria keine Sorgen. Andere Klubs scheinen größere Binkerln zu tragen. SC Wr. Neustadt hat den Mäzen Frank Stronach verloren, dafür kann er zwar nichts, die Kosten könnten ihm aber ebenfalls davonlaufen. Der Lask und sein Präsident Peter-Michael Reichel scheint seit Jahren nicht imstande, den (nach Wien potentesten) Wirtschaftsstandort Linz zu nützen, konstatiert Pangl trocken. Darf man am Tabellenende das kleine Double erwarten? Abstieg und Konkurs?

Der Aufsteiger FC Innsbruck dürfte die Kontrolle über sein Budget verloren haben. Die Überschuldung ist krass. Vielleicht lassen Wirtschaft und Politik des Landes Tirol und der Hauptstadt den sportlich vielversprechenden Klub nicht schon wieder im Stich.

Pangl sieht alles eher katzianmäßg. „Acht von zehn Klubs in der obersten Liga bilanzieren schwarz. Das war vor fünf Jahren noch nicht so.“ Das klingt nach einer Bestätigung der Sorgen um Lask und Innsbruck, auch wenn Pangl das nie zugeben würde. Mitgliedern der Erste Liga gesteht er Sorgen zu. Er nennt keine Namen, aber es handelt sich um WAC/St. Andrä (verbraucht mehr Geld als geplant), Vienna (Schulden stagnieren unerwarteterweise, und im Winter will man Kicker besorgen) und vor allem St. Pölten (angeblich erster Konkurskandidat der Liga).

Die Erste Liga hat noch immer keinen Ligasponsor, vielleicht hat jemand das Motto „Heute für morgen“ falsch verstanden. Immerhin erhalten die Klubs mehr TV-Marie. Pangl: „Wenn jemand auf die 30.000 Euro Differenz angewiesen ist, dann hat er sowieso Probleme.“


Wertlose Lizenz? Der Geschäftsführer der Vereinigung der Fußballer, Gernot Zirngast, kritisiert die Lizenzierung jedoch grundsätzlich. Zirngast: „Ein Fall wie der des FC Dornbrin dürfte nicht passieren.“ Der Klub hatte eine GmbH, die wenige Monate nach der Erteilung der Lizenz für den Verein durch das Ständige Neutrale Schiedsgericht in Konkurs ging (800.000 Euro). Zirngast: „Der Insolvenzentgelt-Fonds, also der Steuerzahler, hat die Gehälter geblecht. Der Verein wurde nicht belangt, kaufte Spieler und ist Herbstmeister der Regionalliga Mitte.“ Die Strukturprobleme des heimischen Profifußballs werden auch durch die Tatsache bestätigt, dass mehr als 100 Fußballer bei der Gewerkschaft als arbeitslos gemeldet sind. Und in ein paar Monaten strömen mehr als 100 Absolventen der zwölf Akademien auf den Arbeitsmarkt.

Der vor zwei Jahren abgeschlossene Kollektivvertrag für die Fußballerbranche hat dem neofeudalen Gehabe mancher Klubchefs zwar Grenzen gesetzt und die Rechtsansprüche der Arbeitnehmer – also der Profifußballer – definiert. Doch nach wie vor drücken sich manche Vereine durch (Schein-)Nebenjobs ihrer Fußballer um die Tarifgehälter. Gernot Zirngast weist auf ein weiteres Strukturproblem hin: „Wir haben in der Bundesliga acht Pensionskassen. Es wird Zeit, dass wir uns auf eine einigen und die Verwaltung vereinfachen.“

Jeder Profi muss außerdem in eine Abfertigungskassa einzahlen, einen Anspruch darauf hat er aber erst, wenn er drei Jahre lang Geld abgelegt hat. Wer nach zwei Jahren aufhört oder das Land verlässt, verliert die eingezahlten Beiträge.

Pangl erklärt das Problem: „Jeder Verein hat seine Versicherung.“ Warum sollte die Austria auch von der Generali weggehen, wenn sie die nächsten fünf Jahre in ihrer Arena wohnt?

(c) Die Presse / GK

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2010)