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Bundesheer

Med-Uni-Soldaten: Vom Feld in den Hörsaal und wieder zurück

Gesundheitsminister Rauch (Zweiter von links, Grüne) und Verteidigungsministerin Tanner (Dritte von rechts) bei der Präsentation am Dienstag.
Gesundheitsminister Rauch (Zweiter von links, Grüne) und Verteidigungsministerin Tanner (Dritte von rechts) bei der Präsentation am Dienstag.(c) APA/Carina Karlovits
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Sechs Männer studieren nun auf Kosten des Verteidigungsressorts Medizin. Im Gegenzug müssen sie 20 Jahre Militärdienst verrichten.

„Ich wollte schon immer Medizin studieren“, sagt der junge Mann in grüner Uniform, umgeben von TV-Kameras, in die er freundlich lächelt. Fähnrich Ionescu wird der 20-Jährige von nun an genannt werden. Denn er und fünf weitere Bundesheer-Kollegen wurden so eben von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) in einem kleinen Raum voller Kameras an der Rossauer Lände 1 offiziell befördert. Der Anlass ist ihr Medizinstudium, das sie am Vortag an der Wiener Med-Uni begonnen haben.

„Der Ärztemangel hat auch das Bundesheer nicht verschont“, sagt Tanner beim Pressetermin. „Der Fokus liegt auf der Erhöhung der personellen Kapazitäten.“ Um den Nachwuchs bei der Militärmedizin, insbesondere bei Auslandseinsätzen, zu gewährleisten, rief sie in Kooperation mit dem Gesundheitsressort und der Med-Uni das neue Projekt zur „Ärztegewinnung“ ins Leben. Flankiert von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und dem Rektor der Med-Uni, Markus Müller, freut sich die Ministerin über das „hervorragende Projekt“, das eine „Premiere“ sei. Sechs Männer studieren von nun an für ein Gehalt aus dem Budget von Tanner Medizin. Dafür reserviert die Med-Uni ab heuer pro Jahr jeweils zehn Studienplätze für das Heer. Das Universitätsgesetz macht es möglich, eine bestimmte Anzahl an Studienplätzen für Aufgaben im öffentlichen Interesse zu reservieren.

Keine Frauen in Jahrgang eins

Die Anforderungskriterien sind ein bestandener Med-AT-Aufnahmetest sowie die Kadereignung. Allerdings müssen die zukünftigen Studierenden nicht unter den 680 besten Kandidaten und Kandidatinnen sein – die Med-Uni Wien vergibt pro Jahr 680 Plätze –, sondern nur unter den besten 25 Prozent aller Teilnehmenden. Im heurigen ersten Jahr sind es sechs Männer, die das Aufnahmeprozedere geschafft haben. Allerdings müssen sie sich zusätzlich verpflichten, 20 Jahre im Dienst des Heeres zu verbleiben. Je nach Fachrichtung des Studiums bedeutet das, zumindest acht bis elf Jahre in der Militärmedizin zu arbeiten. Im Anschluss dürfen sie auch im zivilen Gesundheitssystem tätig sein. Als Einstimmung werden Ionescu und seinen Kommilitonen am Dienstag nicht nur ein höherer Dienstgrad, sondern auch ein weißer Arztkittel überreicht.

Grundsätzlich waren an den Heeres-Studienplätzen laut Ministerium heuer 135 Personen interessiert, darunter 18 Frauen. Tatsächlich absolviert haben den österreichweiten Aufnahmetest Med-AT dann 21 Bewerber und eine Bewerberin. Übrig blieben sechs Männer, wobei Rektor Müller am Dienstag betonte, dass „einige unter den Anwesenden“ auch ohne die Bundesheer-Quote einen Platz erhalten hätten. Vier weitere Plätze bleiben in diesem Jahr unbesetzt.

Unter den künftigen Militärmedizinern finden sich aber nicht nur junge Männer am Beginn ihrer außerschulischen Karriere, sondern etwa auch ein Unteroffizier, der die vergangenen Jahre in der Privatwirtschaft tätig war. „Ich habe meine Berufung erst spät gefunden“, erzählt der 33-jährige Militärmediziner, der eigentlich IBWL studiert hat und früher einmal beim Militär aktiv war. Dass der 33-Jährige sich nun für ganze zwei Dekaden in den Dienst des Heeres stellt, erklärt er mit seiner „Affinität zum Bundesheer“, die dazu jedenfalls vonnöten sei.

Finanzielle Anreize locken

Als Anreiz lockt ein durchaus attraktives Gehalt. Nicht nur erhalten die Studierenden für die Zeit ihrer Ausbildung mindestens 980 Euro pro Monat (ohne Zulagen) und damit die Hälfte ihres Heeres-Gehalts. Am Ende der Ausbildung erhalten sie die restlichen 50 Prozent ihres Gehalts darüber hinaus auf einen Schlag ausbezahlt. Bei einer Ausbildungsdauer von acht Jahren sind das rund 110.000 Euro, die sie im Nachhinein noch bekommen.

Gesundheitsminister Rauch (Grüne) sieht im Projekt doppelten Nutzen: Einerseits werde die qualitative medizinische Versorgung des Bundesheeres gesichert, andererseits verpflichteten sich die Studierenden, dem Gesundheitssystem lang erhalten zu bleiben. Dass der Ärztemangel in Österreich nicht an der geringen Zahl an ausgebildeten Ärzten liege, sondern an anderen Faktoren, etwa an unattraktiven Arbeitsbedingungen, betonte wiederum Rektor Müller. In Wien bilde man immerhin mehr Mediziner aus als die dreimal größere Charité in Berlin.