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Kritik

TikTok unterdrückt weiter unliebsame Wörter und lässt Nutzer im Unklaren

PXL_APP TikTok Picture shows illustration for TikTok App, in Zagreb, Croatia, on August 27, 2020.President Donald Trump
imago images/Pixsell
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Die Zensurlisten, die TikTok im März versprach, zu überarbeiten, sind weiter im Einsatz. Von „Nazi“ über „Heroin“ bis hin zu „schwul“ werden auf der beliebten App gesperrt. Die Nutzer wissen es nur nicht und TikTok sagt es ihnen auch nicht.

Entschuldigt haben sich die Betreiber der chinesischen Plattform TikTok bereits dafür. Geändert hat sich aber offenbar nichts. Denn wie die „Tagesschau.de“ berichtet, kommen weiterhin fragwürdige Wortfilter zum Einsatz. Ziel: um die aus der Sicht Chinas fragwürdigen Begriffe zu unterdrücken, ohne, dass die Verfasserinnen oder Verfasser das überhaupt mitbekommen würden. Unter den Wörtern, die von TikTok offenbar blockiert werden, finden sich "Nazi", "Sklaven" und "Gas", aber auch "LGBTQ" und "schwul", wie die Recherchen von NDR, WDR und der "Tagesschau" ergaben.

Zur Vorgeschichte: Im März dieses Jahres wurde diese Methode bereits zum ersten Mal entdeckt. TikTok entschuldigte sich und gelobte Besserung. Auf Rückfrage der Sendeanstalten NDR und WDR hat TikTok eingeräumt, mit diesen Listen zu arbeiten. Es handle sich aber nicht um ein „zielgerichtetes Vorgehen“, wie TikTok damals beteuerte. Der automatische Mechanismus, also die dahinterliegenden Datenbanken, hätten den Ausführungen zufolge, überarbeitet werden. Nun, knapp ein halbes Jahr später haben die deutschen Sender überprüft, wie diese Ankündigungen umgesetzt wurden. Scheinbar gar nicht.

Bezeichnungen für Drogen wie Cannabis, Crack, Heroin, Kokain oder LSD werden ebenfalls unabhängig von dem verwendeten Kontext zensiert. In der Prüfung konnte lediglich festgestellt werden, dass die noch im März blockierten Begriffe „Auschwitz“ und „Nationalsozialismus“ nicht mehr auf der Zensurliste stehen.

Für Nutzerinnen und Nutzer gibt es keine Möglichkeit, ihre Postings nachzubearbeiten und an den Formulierungen gegebenenfalls zu arbeiten. Denn: User sehen ihren Beitrag ganz normal in der Timeline. Sie sind aber die einzigen. Eine Aufklärung, ein Hinweis, dass dieser Beitrag so nicht erscheinen kann - Fehlanzeige. TikTok-Nutzer können sich daher nicht gänzlich sicher sein, ob der eigene Kommentar auch für andere Menschen sichtbar ist.

„Systeme weiter trainieren“ 

Eine TikTok-Sprecherin räumte ein, dass ihr Unternehmen Technologien einsetze, mit der man "proaktiv" nach Kommentaren suche, die gegen die TikTok-Richtlinien verstoßen oder die ein Spam-Verhalten darstellen. Man versuche auch zu unterbinden, dass Nutzerinnen und Nutzer denselben Kommentar mehrmals posten. In dem aktuellen Fall seien auch Kommentare, die nicht gegen die Community-Richtlinien verstoßen haben, fälschlicherweise als potenziell schädlich gekennzeichnet worden. "Dies hätte nicht passieren dürfen, und wir werden unsere automatisierten Systeme weiter trainieren, um eine faire und einheitliche Moderation zu gewährleisten", erklärte die TikTok-Sprecherin.

 

(bagre)