Ein Drittel aller Volksschulen hat weniger als drei Klassen. Das Burgenland macht Schließungen schmackhaft, Kärnten ringt mit hartnäckigen Standorten.
Wien. Es ist ein heikles Thema. Nachdem viele Dörfer ohnehin schon ohne Polizei und Post, viele auch ohne Geschäft und Wirtshaus auskommen müssen, ist die Schule die letzte öffentliche Einrichtung. Steht eine Schließung im Raum, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Doch die Demografie spricht eine klare Sprache: Nie gab es in Österreich so wenige Volksschüler wie dieses Jahr, geburtenschwache Jahrgänge bringen viele Standorte in Bedrängnis.
Mehr als ein Drittel aller Volksschulen in Österreich hat weniger als drei Klassen und gilt damit als Kleinschule. Im Burgenland wird die Hälfte der 192 Schulen ein- oder zweiklassig geführt, in Tirol haben 29 Schulen zehn oder weniger Schüler. Freiwillig entscheidet sich kaum ein Bürgermeister dafür, einen Standort zu schließen – auch, wenn es in einer Gemeinde mehrere gibt. In der Praxis kann das dazu führen, dass alle Kinder zwar gemeinsam den einzigen Kindergarten besuchen, dann aber verschiedene Volksschulen.
Das Burgenland geht das Problem mit seiner Schulschließungs-Prämie ungewöhnlich offensiv an. In den meisten anderen Bundesländern ist Derartiges kein Thema. Man bekenne sich zur kleinteiligen Schulstruktur, heißt es etwa unisono aus Tirol, Salzburg und Niederösterreich. Soweit wie möglich wolle man für deren Erhalt eintreten. In Salzburg wird in Tweng im Lungau derzeit die kleinste Schule Österreichs betrieben – mit drei Schülern. Wichtig sei, einen Standort pro Gemeinde zu sichern.
Dazu bekennt sich auch Oberösterreich. Doch grundsätzlich seien Schulschließungen zwar vor Ort eine „emotionale Geschichte“, in der Praxis aber nicht immer ein Nachteil, so der Landesschulrat. Zu kleine Einheiten seien weder pädagogisch sinnvoll noch für die soziale Entwicklung optimal. So wurden in Oberösterreich heuer drei Standorte aufgelöst, weitere werden folgen. Auch in der Steiermark wurden drei Schulen geschlossen, in Tirol zwei.
Die Kosten für die Schulen tragen in erster Linie die Gemeinden. Doch je kleinteiliger ein System, desto größer auch die Belastung für die Länder: Der Bund zahlt einen Lehrer für je 14,5 Volksschüler. Kleinere Klassen belasten das Landesbudget. Tirol etwa finanziert einige Dutzend Lehrer zusätzlich zum Stellenplan, Spitzenreiter Kärnten über 600.
Dort sieht man Handlungsbedarf. Im Vergleich zu Salzburg habe man rund 90 Schulen zu viel, heißt es beim Land. Nun werden Gemeinden dazu angehalten, Schulen zu schließen – aber nicht mittels Zuckerl, wie im Burgenland. Sondern bei weniger als zehn Schülern notfalls auch von Amts wegen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2010)