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Analyse

Russen am Unterlauf des Dnipro in schwerer Bedrängnis

TOPSHOT-UKRAINE-RUSSIA-CONFLICT-WAR TOPSHOT - A Ukrainian soldier patrols at a position along the front line in the Mykolaiv region on October 5, 2022, amid the Russian invasion of Ukraine. (Photo by Dimitar DILKOFF / AFP)
Ein ukrainischer Soldat patrouilliert am Mittwoch an der Frontlinie nahe Mykolajiw.APA/AFP/DIMITAR DILKOFF
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Binnen weniger Tage wurde die Nordflanke der russisch besetzten Zone westlich des Dnipro von ukrainischen Truppen erobert. Sie dürften demnächst einen der drei Flussübergänge im Raum Cherson einnehmen, die Russen könnten großräumig abgeschnitten werden.

Nach mehr als zwei Monaten Hin und Her in einer Serie wechselseitiger Angriffe und Gegenstöße sind die russischen Streitkräfte westlich des großen Flusses Dnipro in den vergangenen Tagen vermutlich in eine nachhaltig unhaltbare Lage geraten. Eine zunächst begrenzte Offensive der Ukrainer hat die russische Front am Nordrand des besetzten Gebietes dort im Trans-Dnipro-Brückenkopf nämlich seit 1./2. Oktober aufgerissen und kräftig nach Süden gedrückt (siehe die bewegliche Karte unten). Die Rede war bisweilen von fluchtartigen Absetzbewegungen der Russen. Zuletzt war daher der nördlichste der drei noch von russischen Einheiten gehaltenen Übergänge über den Fluss fast in Griffweite der Ukrainer - die Isolation der russischen Kräfte westlich des Dnipro rückt näher.

Die Ukrainer dringen damit auch formell in Gebiet ein, das durch die in den vergangenen Tagen vollzogene russische Annexion eigentlich bereits ein Teil Russlands sein sollte. Für diesen Fall hatte Moskau auch den Einsatz taktischer Atomwaffen zur Verteidigung angedeutet, und der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramzan Kadyrow, das Ende voriger Woche sogar auf sozialen Medien angeregt. Kiew betont, sich „nuklearer Erpressung" nicht zu beugen - und alles verlorene Land zurückerobern zu wollen.

Glaubt man kursierenden Landkarten auch westlicher Militärs, die indes von russischen grafischen Darstellungen durchaus unterstützt werden, sind die Ukrainer im Zuge des aktuellen Süd-Vorstoßes am 1. und 2. Oktober an einer rund 35 Kilometer langen Front am Westufer des Dnipro-Stausees und südlich der Stadt Krywyj Rih angetreten, haben die Front bis gestern, 5. Oktober, um etwa 40 km nach Süden vorgeschoben und auf gleichfalls etwa 40 km Breite erweitert; am Donnerstag war die Rede von weiteren eingenommenen Orten. Das Gebiet ist agrarisch und flach, grob geschätzt betrug der gewonnene Raum dort um die 1500 Quadratkilometer bzw. etwa das 3,5-Fache des Bundeslandes Wien. Vor allem aber standen die Vorhuten zuletzt etwa 30 bis 40 km nördlich des besagten Dnipro-Übergangs beim Stauwerk Nowa Kachowka.

Der dortige Flußübergang ist von ukrainischer Raketenartillerie (etwa System HIMARS) schon im Juli und August schwer beschädigt worden und zumindest für große Fahrzeuge unpassierbar. Fällt er an die Ukrainer, würde auch das letzte russische Tröpfeln an Verkehr, Nachschub, Verstärkung über diese Passage enden und die Lage der Russen im Trans-Dnipro-Brückenkopf weiter erschwert. Weiter südlich sind auf den etwa 85 Kilometern Luftlinie zur Mündung des Dnipro im Schwarzen Meer bei der Stadt Cherson nur noch eine Straßen- und eine Eisenbahnbrücke, jeweils bei der besagten Stadt. Auch sie wurden im Sommer von ukrainischen Raketen schwer beschädigt. Das Ausmaß ihrer Nutzungsmöglichkeit ist aktuell unklar, das russische Heer setzt seither dort Boote und Fähren ein.

Angriffe versandeten im Geschützfeuer