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Fächerübergreifend

Umweltbildung wird stärker in Lehrplänen verankert

Umwelt, Natur, Klima und Nachhaltigkeit sollen im neuen Lehrplan mehr Gewicht bekommen - und als fächerübergreifendes Thema im Unterricht behandelt werden.

Umweltbildung ist seit 1979 eines von derzeit zehn Unterrichtsprinzipien an Schulen. Im Entwurf der neuen Lehrpläne für Volks-/Mittelschulen und AHS-Unterstufen bekommen Umwelt, Natur, Klima und Nachhaltigkeit laut Teachers for Future nun mehr Gewicht. Als nunmehr "übergreifendes Thema" wird Umweltbildung (wie andere bisherige Unterrichtsprinzipien) zusätzlich in den jeweiligen Fachlehrplänen erwähnt. Dazu kommen Umsetzungsziele am Ende von Mittelschule und AHS-Unterstufe.

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Die Frage nach dem richtigen Unterricht ist so alt wie die Schule. Der Trend geht weg vom Auswendiglernen und hin zu neuen Fächern.

Auch David Lahmer vom Fachbereich Umwelt und Biodiversität der Universität Salzburg, der derzeit in seiner Dissertation die Verankerung von Umwelt, Natur, Klima und Nachhaltigkeit in den aktuellen und den ab 2023/24 vorgesehenen Lehrplänen vergleicht, ortet einen künftig stärkeren Fokus auf diese Themen. Entsprechende Begriffe werden im Entwurf laut einer ersten Analyse zwar insgesamt nur minimal häufiger verwendet. Das Thema kommt aber immerhin in neun statt bisher vier der 15 Fächer vor, Zuwächse gibt es vor allem bei Klima(-wandel) und Nachhaltigkeit.

Florian Kaltseis von den Teachers for Future hebt vor allem das Kompetenzziel "Visionen für eine umweltverträgliche und nachhaltige Zukunft entwickeln und Handlungen, die einen nachhaltigen Beitrag dazu darstellen, planen und umsetzen" hervor. Dieses könne man durchaus als "Aufforderung zu Aktivismus" lesen.

Eine besonders starke Verankerung von Umweltkunde sieht Kaltseis im Fach Geografie und Wirtschaftskunde. Dabei werde bei den zu erwerbenden Kompetenzen explizit auf die Berücksichtigung "höchst dringlicher und miteinander verwobener globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Artenverlust, Ressourcenverbrauch sowie Flucht- und Migrationsbewegungen" verwiesen.

Junge Menschen kritikfähig machen

Überhaupt stellen die Teachers for Future dem zuletzt von den wirtschaftspädagogischen Forschungs- und Lehreinheiten der Unis heftig kritisierten Lehrplan für Geografie und Wirtschaftskunde ein gutes Zeugnis aus. Die Wirtschaftspädagogen hatten "empfindliche inhaltliche Auslassungen" geortet. Der Lehrplan setze "auf die irregeleitete Hoffnung, man könne junge Menschen kritikfähig machen, wenn man ihnen Werte vermittelt, ohne die für kompetentes Werten unverzichtbaren kognitiven Grundqualifikationen mitzuvermitteln."

Die Teachers for Future hingegen loben in einer Stellungnahme, dass im Lehrplan-Entwurf "unternehmerische und gesellschaftliche Zugänge zu Volks- und Betriebswirtschaft gleichwertig abgebildet werden" und dass Schülerinnen und Schüler neben praktischem unternehmerischem Umgang mit "den ökonomischen Konzepten von Markt, Staat und deren Versagen" auch "deren Reflexion im Sinne der pluralen Ökonomie (insbesondere Postwachstum, Gemeinwohl- und Solidarische Ökonomie)" erlernen sollen. Der neue Lehrplan sei "ein wichtiger Schritt in Richtung eines zukunftsfähigen Bildungssystems."

„Mit dem Wissen etwas anfangen"

Auch Lehrplanentwickler wie der Fachdidaktiker und HTL-Lehrer Herbert Pichler oder Marcel Vorage (Pädagogische Hochschule Salzburg und Mittelschul-Lehrer) haben jüngst in den "Salzburger Nachrichten" den Lehrplan verteidigt und den Schritt vom in der Praxis oft noch recht stofforientierten Unterricht hin zu einem kompetenz- und lebensweltorientierten Zugang hervorgehoben. Mit diesem reiche es nicht mehr, etwas zu wissen. "Man muss mit dem Wissen etwas anfangen können, man muss dieses Wissen anwenden und bis zu einem gewissen Grad auch reflektieren und bewerten können", so Pichler. Puncto Geografie-Lehrplan betont er, es sei nicht gleich "Wirtschaftsbashing", wenn es nicht nur um "Chancen der Globalisierung" gehe. Auch Praxisferne sei dem Lehrplan nicht vorzuwerfen. Er habe bei der Lehrplan-Erarbeitung viel Erfahrung aus dem Unterricht an der Mittelschule eingebracht, so Vorage. "Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass man mit Kindern arbeitet."

Was die Stärkung von Klimathemen in den Lehrplänen in der Praxis bedeutet, wird sich erst weisen. Mit der Umsetzung als fächerübergreifendes Thema liege die tatsächliche Praxis jedenfalls weiterhin stark an den Interessen der jeweiligen Lehrer, betont Dissertant Lahmer. "Die Chance, das Thema der Nachhaltigkeit tatsächlich in allen Fächern zu verankern, wurde nicht genutzt." Geht es nach dem Bildungsforscher Stefan Hopmann, wäre allerdings angesichts einer totalen Überfrachtung der neuen Lehrpläne auch das sinnlos. "Wenn ich das ins Buchregal stellen würde, dann nicht zur Kategorie 'Pädagogik', sondern eher zu den Märchen", sagte er jüngst der "Kleinen Zeitung".

(APA)