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DO REVENGE
Streamingtipps

Neue Filme: Heute in Venedig, morgen schon auf Netflix

Selbst prominente Prestigeproduktionen, die im Wettbewerb renommierter Filmfestivals Premiere feiern, landen inzwischen oft direkt im Netzkino. Ein paar Einschätzungen – und eine Handvoll jüngerer Geheimtipps als Ergänzung.

Do Revenge

Von Jennifer Kaytin Robinson, 2022
Zu sehen auf Netflix

Frauen, die sich rächen, standen in den letzten Jahren so oft im Mittelpunkt von Serien und Filmen, dass man schon bald von einem neuen Genre sprechen könnte. Gerade eben zog „Kleo“ auf Netflix killend durch die Gegend, nun versetzen die Freundinnen Drea (Camilla Mendes) und Eleanor (Maya Hawke) in „Do Revenge“ eine ganze Klasse in einen unfreiwilligen Drogenrausch. Was nicht gar so drastisch ist, dafür aber umso vergnüglicher mit anzusehen.

Dabei bleibt es natürlich nicht. Die Rächerinnen schmieden ausgefuchste Pläne, die freilich nicht immer erfolgreich sind: Nach allen Regeln der Kunst outen sie den beliebtesten Burschen der Highschool als üblen Frauenhelden. Worauf der dreist erklärt, er habe seine Freundin gar nicht betrogen – sie hätten nur längst all dem heteronormativen Beziehungsscheiß abgeschworen! Besagte Freundin macht mit, um nicht als Opfer dazustehen – schon ist er wieder der Held! Eine hübsche Satire, auch auf die Heuchelei, fetzig inszeniert mit dem für ein Rachemärchen nötigen Mut zur Unglaubwürdigkeit und Gemeinheit. Allerdings hätte man auf den letzten Plot-Twist mit moralischem Schwenk gerne verzichtet. Darf Rache nicht einfach nur süß sein? (best)

Blonde

Von Andrew Dominik, 2022
Zu sehen auf Netflix

Dass die Mythen der Popkultur unsterblich sind, zeigt sich besonders jetzt, da sich die halbe Welt anschickt, sie im Dienst des Fortschritts zu entzaubern. Denn so kann sich alles ändern, um gleich zu bleiben: Marilyn Monroe, das überlebensgroße Sexsymbol, gerät unter den Vorzeichen der Gegenwart zu Norma Jeane Baker, dem überlebensgroßen Opferlamm auf dem Altar einer chauvinistischen Filmindustrie. Und bleibt doch ein unergründliches Faszinosum. So auch in „Blonde“, einem von mehreren Netflix-Beiträgen zum heurigen Filmfest von Venedig. Dass diese doch ziemlich wuchtige Prestige-Produktion bei uns Wochen nach der Premiere ohne Filmstart in den Streaming-Pool geworfen wurde, ist wohl ein Zeichen der Netzkino-Zeit.

Vielleicht aber auch die Intuition von Netflix, Andrew Dominiks fiktionalisiertes Starporträt nach einem Roman von Joyce Carol Oates könnte manchen sauer aufstoßen – wie der New York Times, die darin „nekrophile Unterhaltung“ sah. Dabei ist „Blonde“ kein angenehmer Film: Er schickt seine liebesdurstige Hauptfigur (intensiv: Ana de Armas) auf einen knapp dreistündigen, surrealen Spießrutenlauf durch Hollywoods Traum(a)fabrik, wo eine Frau nur soviel wert ist wie ihr Image. (and)

I Used to Be Famous

Von Eddie Sternberg, 2022
Zu sehen auf Netflix

Die Zeiten waren für Vince schon mal besser: Als Jugendlicher spielte er in einer prominenten Boyband, zwanzig Jahre später wollen ihn nicht mal die Pubs in der Umgebung für einen Auftritt buchen. Also setzt er sich irgendwann mit seinem Keyboard, das er auf ein Bügelbrett stellt, im ruppigen Londoner Peckham in eine Fußgängerzone. Und lernt dort den autistischen jungen Schlagzeuger Stevie kennen. In leichtem Ton erzählt Regisseur Eddie Sternberg vom Hinfallen und Aufstehen und einer unerwarteten Freundschaft, ohne (wirklich) in den Kitsch abzugleiten. Reizend. (rovi)

Athena

Von Romain Gavras, 2022
Zu sehen auf Netflix

Es beginnt fulminant, mit einer atemlosen und atemberaubenden Plansequenz: Ein toter Bub aus den Banlieues, ein Molotow-Cocktail aus der Menge, Chaos im Polizeirevier, Flucht auf die urbanen Barrikaden, die anmuten wie die Festung von Troja. Was folgt, ist technisch ebenso eindrucksvoll, aber inhaltlich ziemlich überzogen im Bestreben, Frankreichs zeitgenössische Klassenkonflikte als griechische Action-Tragödie aufzubereiten. Romain Gavras, Sohn des Politthriller-Meisters Costa-Gavras, inszeniert mit Wumms und mitreißender Energie, doch die Schauspieler tragen zu dick auf, das Pathos wirkt von Szene zu Szene hohler. Immerhin: Die Schlusspointe des in Venedig uraufgeführten Spektakels sitzt. (and)

Goodnight Mommy

Von Matt Sobel, 2022
Zu sehen auf Amazon Prime

„Goodnight Mommy“ ist das seltene Hollywood-Remake einer österreichischen Vorlage. „Ich seh, Ich seh“, das Spielfilmdebüt von Veronika Franz und Severin Fiala aus dem Jahr 2014, sorgte bei der Premiere in Venedig für Interesse. Der Horrorfilm war sogar für den Auslandsoscar nominiert. Es geht um zwei Brüder, deren Mutter sich nach einer Schönheits-OP hinter einem unheimlichen Gesichtsverband versteckt und diabolisch wesensverändert wirkt. Bald sind sich die Kinder nicht mehr sicher, ob diese Frau tatsächlich ihre Mutter ist. Nun hat Matt Sobel dieses psychologische Verwirrspiel für den US-Markt neu verfilmt – starbesetzt mit Naomi Watts als Mutter, mit Cameron und Nicholas Crovetti als berührendem Brüderpaar und deutlich heruntergeschraubtem Gänsehautfaktor. Aber wozu? An das schaurige Original kommt der Film nicht heran. (i. w.)

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