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Blick von der Terrasse auf das Baumhaus.
Wohngeschichte

Wien-Rodaun: Wildes Wohnzimmer

Nach Jahren in Australien und Chile kam Mariella Gebhardt im Frühling 2015 mit 25 Stück Gepäck in Wien an. Und richtete sich mit Familie in Liesing mitten im Grünen ein.

Nach vier Jahren in Santiago de Chile und der Geburt des ersten Sohnes sehnte ich mich nach Unterstützung der Familie“, erzählt Marielle Gebhart. „In Santiago wohnte man mit Stacheldraht, elektrischem Zaun und Alarmanlage. Das wurde mir mit Kleinkind zu ungemütlich.“ Mit ihrem chilenischen Mann und dem damals 1,5 Jahre alten Sohn zog sie nach Wien zurück – und fand eine Gartenwohnung in Rodaun, direkt am Liesingbach. „Die Wohnung gab uns das Gefühl, naturnah, in einem Haus auf dem Land zu leben.“ Und weil sich hier früher einmal ein Campingplatz befand, fragen immer noch Reisende nach ihm. „Als Weltenbummlerin finde ich es schön, dass dieser Spirit von Abenteuer und Reiselust hier schon vor Jahren gelebt wurde.“

Die Drei-Zimmer-Wohnung mit 122 Quadratmetern ist ebenerdig und geht über eine Terrasse in den 1200 Quadratmeter großen Garten über. Das Wohnzimmer lässt mit Glasflächen viel Natur in die Stube: „Im Frühling beobachten wir fast täglich, wie die Eichkätzchen Fangen spielen.“ In drei Minuten ist Gebhardt jetzt im Wald – früher waren es das Meer und die Wellen, jetzt sind es der Wald und das Rauschen der Blätter und des Baches, die sie erden. „Beides sind wunderschöne Naturelemente, die uns Menschen positiv beeinflussen“, ist sie überzeugt. Vor allem in Australien sei ihr bewusst geworden, wie sehr sie die Natur für ihr persönliches Wohlbefinden braucht. „So, wie ich damals öfters vor der Arbeit surfen war, gehe ich hier eben in den Wald.“ Oder in den Garten, zu Vogelgezwitscher unter uralten Bäumen.

Blick ins Wohnzimmer.
Blick ins Wohnzimmer.Barbier



Auf der Terrasse steht ein großer Holztisch für Familienfeiern, hinter einer Schilfwand befindet sich eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheit aus Baumstämmen und selbst gefertigten Palettenmöbeln. Für die mittlerweile zwei Buben gibt es ein Trampolin, eine Hängeschaukel, ein selbst gebautes Baumhaus und ein Fußballtor. Viel Freude, viel Arbeit: „Auch wenn ich gern im Garten bin, weil er mein ,Stress Buster‘ ist. Im Herbst, wenn die Blätter fallen, brauchen wir einige Tage, um alle zu entsorgen.“

Maritime Elemente

Das Element Feuer hat für Gebhardt einen besonderen Stellenwert. „Es bringt so viel Wärme und Lebendigkeit. Unsere Kinder haben schon früh begonnen, selbst Feuer zu machen, im Sommer bei der Feuerstelle, im Winter beim Kamin. Das ist das beste Naturfernsehen – jeder hat seinen eigenen Film laufen.“ Auch die Passion für Meer und Wellenreiten ist in jedem Raum spürbar: Als Wand-Deko halten Surfbretter, -fotos oder -sprüche her. Die blauen und türkisen Farbtöne bringen maritimes Flair ins Haus. „Man könnte fast glauben, dass wir am Meer leben. Das ist sicher eine große schlummernde Sehnsucht.“ Die meisten Möbel im shabby Retrolook hat sie selbst gefertigt. „Es macht mir Freude, aus alten Dingen Neues zu gestalten. Wenn ich Schubladen oder Ähnliches am Straßenrand finde, dann wird daraus eben ein Regal gebastelt.“ Die modulare Couch im Wohnzimmer mit unterschiedlichen Elementen und Formen hat verschiedene Funktionen: Hüpfburg, Höhle, Rutsche oder Zusatzbett.

Gebhardt in ihrem "Van-Office".
Gebhardt in ihrem "Van-Office".Barbier



Der Wohnraum ist ein Wohlfühlort aus Farben, Formen und Gerüchen. Naturelemente sowie -materialien sind ihr besonders wichtig: „Wer sich zu Hause nicht wohl fühlt, kann auch nicht zur inneren Ruhe kommen.“ Der einzige Nachteil: „Dass die Nachbarn über uns guten Einblick in den Garten haben. Vor allem Südamerikaner feiern gern, das ist ein Lebenselixier, da wird gelacht, laut geredet und Musik gespielt. Da habe ich öfters den Eindruck, dass es für die Nachbarn nicht immer so erfreulich ist.“
Home-Office war für Gebhardt immer schon Teil ihrer Tätigkeit. „Ich finde es bis heute herausfordernd, Haushalt und To-dos auszublenden und mich auf die Arbeit zu konzentrieren.“ Manchmal schnappt sie sich ihren Camper-Van und fährt in die Natur. „Im ,Van-office‘ kann ich von nichts abgelenkt werden“, schmunzelt sie. Ihre Wohnung auf Rädern, „Ella's Camper“ genannt, kann auch für kurz oder länger gemietet werden. „Ich möchte mit der Vermietung Menschen mehr Naturverbundenheit vermitteln und ermöglichen, ein Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit.“

Zum Ort, zur Person

Um 1170 wird „Radune“ erstmals genannt, seit 1946 gehört der Ort zum 23. Wiener Bezirk, Liesing. Der südlichste Bezirk zwischen Dorfromantik, zahlreichen Neubauten, renaturiertem Liesingbach und Industrie ist heute, je nach Lage, begehrtes Wohngebiet an der Wiener Stadtgrenze. Neue Wohnungen im Erstbezug kosten durchschnittlich 6239 Euro/m2, gebrauchte 5118 Euro/m2.


Mariella Gebhardt studierte in Australien, lebte in Chile und ist in Wien als Beraterin im Gesundheitsbereich tätig.

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