In den postjugoslawischen Literaturen hat der Krieg seinen festen Platz. Davon erzählen häufig auch in die Fiktion eingebettete Fotografien. Ingeborg Jandl-Konrad hat sie analysiert.
„Das sollte ihr Sohn sein. Doch für sie ist es nur ein namenloses Geschöpf, das nach neun Monaten aus ihr herauskam“, schreibt die kroatische Autorin Slavenka Drakulić in ihrem Buch „Als gäbe es mich nicht“. Ihre Protagonistin S. ist eine Lehrerin aus Bosnien, die in einem serbischen Konzentrationslager mehrfach vergewaltigt wurde. „Erleichterung. Sie ist frei. Mit diesem Kind ist aus ihrem Körper auch ihre Vergangenheit geflossen.“
Traumata muss man in den zeitgenössischen postjugoslawischen Literaturen nicht lang suchen. „Krieg ist in vielen Werken präsent“, sagt die Literaturwissenschaftlerin Ingeborg Jandl-Konrad vom Institut für Slawistik und von der Forschungsplattform „Transformations and Eastern Europe“ der Universität Wien. „Sowohl direkte als auch transgenerationale Trauma-Erfahrungen werden häufig thematisiert.“ Letzteres zum Beispiel, wenn nach den Jugoslawien-Kriegen geborene Autorinnen und Autoren ihre Identität oder Familiengeschichte aufarbeiten.
