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Mein Samstag

Tu das ja nicht!

Es ist ja nicht so, dass Kindern nicht von selbst allerlei Blödsinn einfallen würde. Nicht selten aber werden sie von Erwachsenen überhaupt erst auf seltsame Ideen gebracht. Vor allem dann, wenn ihnen jemand sagt, dass sie dieses oder jenes „ja nicht“ tun dürfen.

Meine Oma etwa hat sich eventuell ein bisschen zu viele Gedanken darüber gemacht, welche brandgefährlichen Dinge mir einfallen könnten, wenn sie gerade nicht hinschaut. Eine Geschichte, die sie später so oft erzählt hat, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich mich selbst noch an den Zwischenfall erinnere oder nur an die Erzählungen, geht so: Einmal ließ sie mich kurz allein, um in die Waschküche zu gehen. Mit dem Hinweis, ich solle inzwischen „bloß nicht“ zündeln (oder „pesern“, wie sie als Deutsche sagte). Als sie wieder zurückkam, fand sie mich jedenfalls – Sie ahnen es – mit einer Kerze und Streichhölzern vor. (Angezündet habe ich die Kerze eh nicht, weil noch viel zu ungeschickt). Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich damals ohne ihre Warnung einfach Perrine oder Niklas (oder eine dieser anderen traurigen FS1-Kinderserien) weitergeschaut. Zu meiner Verteidigung soll ich damals gesagt haben, sofern die Oma das nicht nur dazugedichtet hat, dass ich die Kerze „für den Papst“ habe anzünden wollen.

Es gibt noch zwei, drei ähnliche Geschichte aus meiner Kindheit. Einmal zum Beispiel hatte ich eine Blase am Fuß, und die Oma hat mich angewiesen, „ja nicht“ selbst zu versuchen, die Blase aufzustechen. (Ich muss, glaube ich, nicht erwähnen, was danach passiert ist.) Ähnlich verhielt es sich, als ich eine dieser kleinen Plastikflaschen voller bunter Zuckerperlen bekommen habe. Auch hier hat mich die Oma davor gewarnt, diese Perlen „ja nicht“ in die Nase zu stecken. Meine nächste Erinnerung: Wir sitzen beim Arzt, der mir eine Zuckerperle aus dem Nasenloch zieht. Viel mehr Blödheiten sind mir nicht erinnerlich, vielleicht hat die Oma ihre Horrorszenarien danach für sich behalten. Oder ich bin ein bisschen klüger geworden. In diesem Sinne: Bringen Sie Ihre Kinder und Enkel bloß nicht auf blöde Ideen! Und nehmen Sie diese Zeilen ja nicht zu ernst!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2022)