Lehman-Pleite: Betrugsverfahren gegen Ernst & Young

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Lehman(c) epa/Lawrence Looi (Lawrence Looi)
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Die Staatsanwaltschaft bereitet ein Betrugsverfahren vor: Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen soll Investoren über die Finanzlage der pleitegegangenen US-Bank Lehman Brothers getäuscht haben.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft bereitet ein zivilrechtliches Betrugsverfahren gegen das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young vor. Der Firma wird nach Informationen der Zeitung "The Wall Street Journal" (Montag) Bilanzfälschung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Wall-Street-Bank Lehman Brothers vor zwei Jahren zur Last gelegt. Sie soll Investoren gegenüber die prekäre Finanzlage der Bank verschleiert haben, so das Blatt, das sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen beruft.

Es wäre das erste Mal, dass einer führenden Buchprüfungsgesellschaft Mitschuld an der Finanzkrise zugewiesen wird. Die Vorwürfe stützen sich auf Geschäfte, die Lehman abgewickelt haben soll, um das wahre Risiko herunterzuspielen.

Lehman gehörte laut "Wall Street Journal" lange Zeit zu Ernst & Youngs größten Klienten. Zwischen 2001 und 2008 sollen die Wirtschaftsprüfer von der Bank 100 Millionen Dollar (75,4 Millionen Euro) für ihre Arbeit erhalten haben.

Verfahren ist Teil weitreichender Ermittlungen

Das vom New Yorker Staatsanwalt und und künftigen Staatsgouverneur Andrew Cuomo angestrengte Verfahren ist Teil weitreichender Ermittlungen, die feststellen sollen, ob einige Banken ihre Kunden getäuscht haben, indem sie Lehmans wahre Schulden in ihren Bilanzen verschleierten. Cuomo hätte in diesem Zusammenhang entsprechende Unterlagen von anderen Instituten angefordert, darunter die Bank of America, berichtet das "Wall Street Journal".

EY könnte außergerichtliche Einigung forcieren

Ernst & Young hat im Falle einer Verurteilung mit hohen Strafgebühren zu rechnen und wird möglicherweise versuchen, den Fall außergerichtlich beizulegen, so das Blatt weiter.

Bei den fragwürdigen Geschäften, mit denen Lehman seine Bilanzen systematisch geschönt haben soll, handelt es sich um Rückkaufvereinbarungen, kurz Repos genannt. Bei Lehman geht es dabei um das Repo-105-Programm, das bereits im März bekannt wurde, als der Konkursabwickler feststellte, dass Lehman 50 Milliarden Dollar an Schulden aus der Bilanz eliminiert hatte. Diese Geschäfte wurden schlicht als Wertpapierverkäufe bilanziert anstatt als Schulden. Sie verschleierten dadurch die miese Finanzlage der Bank.

(APA)

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