Während gerade mal ein Drittel der Mitarbeitenden angibt, mit dem Job zufrieden zu sein, vertreten 92 Prozent der Führungskräfte die Überzeugung, glückliche Arbeitnehmer zu leiten.
Der hart umkämpfte Arbeitsmarkt fordert Arbeitgeber, mehr zu bieten und genauer hinzuhören. Denn die Unterschiede zwischen der Einschätzung von Führungskräften - zufriedene Mitarbeitende zu verantworten - und dem tatsächlichen Gemütszustand sind gravierend, zeigt eine aktuelle Capgemini-Studie. In zehn Ländern wurden 2250 Personen aus 750 Unternehmen dazu befragt, wie weit der Schein vom Sein entfernt liegt. Das Ergebnis lässt auf beiden Seiten zu wünschen übrig.
Obwohl nur 28 Prozent der Mitarbeitenden angeben, zufrieden im Job zu sein, sind mehr als doppelt so viele (62 Prozent) Führungskräfte zuversichtlich, zufriedene Teams zu managen. 92 Prozent gehen noch einen Schritt weiter und davon aus, diese nicht nur zufrieden, sondern auch glücklich zu stimmen. Diese Diskrepanz ist seit Beginn der Pandemie deutlich angestiegen: Lagen die Einschätzungen vor der Pandemie noch um 19 Prozentpunkte auseinander, sind mittlerweile 34 Prozentpunkte zu verzeichnen.
Nicht nur in der Wahrnehmung darüber, wie zufrieden die Angestellten sind, ist eine Kluft zu erkennen, sondern auch in der allgemeinen Stimmung: Obwohl nur 23 Prozent der Mitarbeitenden im Job zufrieden zu sein scheinen, behaupten 80 Prozent der Manager über sich selbst, positiv gestimmt zu sein. Im Vergleich zum Wohlbefinden vor der Pandemie spitzt sich die getrübte Stimmung durch den Verlust von 12 Prozentpunkten auch in der Führungsebene zu.
Im Detail steigen die Zufriedenheitswerte mit dem Alter leicht an: Von dem Drittel der Mitarbeitenden, die bei der Arbeit zufrieden sind, zählen 31 Prozent zur Generation der Millennials und nur ein Viertel zu den 1997- bis 2012-geborenen Gen-Z-Kollegen.
Christian Schmeichel, leitender Vizepräsident bei SAP, schreibt dieser Entwicklung einen ganzheitlichen Wertewandel zu: „Die persönlichen Prioritäten der Mitarbeiter haben sich, auch durch den verstärkten Einsatz von Technologie, verschoben. Seit der intensiven Nutzung von Home Office steigt das Bedürfnis nach menschlicher Verbundenheit und Empathie an“.
Zufriedenheit schafft Loyalität zum Arbeitgeber
Ein Drittel der Beschäftigten plant, den Arbeitsplatz zu verlassen. Die meisten davon (66 Prozent) hätten es recht eilig damit und wünschen sich eine Veränderung in den nächsten drei bis neun Monaten. Für Führungskräfte gilt, den Jungen mehr Achtsamkeit zu schenken, denn: Von den Wechselbereiten sind 49 Prozent zwischen 18 und 24 Jahre alt.
In Arbeitsbereiche unterteilt, beschäftigen sich innerhalb der Industriebranche mit einem Anteil von 40 Prozent die meisten Arbeitnehmenden damit, ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Im Wissens- und Dienstleistungssektor, in denen jeweils rund ein Drittel überlegt, zu wechseln, sind deutlich weniger betroffen. Unter der Voraussetzung, bei gleicher Entlohnung derselben Tätigkeit wie zuletzt nachzugehen, wären 52 Prozent bereit, zu gehen. Es liegt also auch in der Verantwortung der Firmen, für mehr Zufriedenheit zu sorgen.
Zu erreichen sei dies unter anderem, indem Mitarbeitende erfahren, welchen Anteil ihre Arbeit für die übergeordneten Ziele einnimmt: 70 Prozent der Mitarbeitenden liegt es am Herzen, zu wissen, welchen Zweck ihr Tun bewirkt. Der überwiegenden Mehrheit ist es darüber hinaus wichtig, zu lernen und ihre Kompetenzen zu erweitern. Trotz dieser Prioritäten geben jeweils nur 32 Prozent an, zu verstehen, welche Erwartungen an sie gestellt werden und wie ihre Leistung dabei unterstützt, die Unternehmensziele zu erreichen. Außerdem hat nur ein Viertel das Gefühl, neue Fähigkeiten entwickeln und mitgestalten zu können.
Eintönigkeit hat ausgedient
Obwohl die viel zitierte Work-Life-Balance an Gewichtung zunimmt - 65 Prozent geben an, ein ausgewogenes Verhältnis am wichtigsten zu finden - fühlen sich nur 28 Prozent in diesem Bedürfnis abgeholt. Ein weiteres Drittel hat das Gefühl, sich freinehmen zu können, wann sie wollen.
Weniger als ein Drittel der Beschäftigten ist der Ansicht, von ihren Managern einfühlsam empfangen zu werden und dass ihnen aufmerksam zugehört wird. Doch nicht nur in diesem Bereich ist die Bereitschaft zu investieren, essenziell: Auch, wenn es um die technische Ausstattung im Unternehmen geht, sind weniger als ein Drittel mit den Instrumenten zufrieden, die ihnen zur Verfügung gestellt werden.
Das „große Ganze“ kommunizieren
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollte neben der Förderung des Wohlbefindens im Rahmen einer gesunden Organisationskultur präventive Maßnahmen durchgesetzt werden, um Mitarbeitende davor zu schützen, an Belastungsgrenzen zu arbeiten. Denn: Nur 27 Prozent der befragten Mitarbeiter scheinen sich am Arbeitsplatz, sowohl körperlich als auch geistig, gut zu fühlen.
Es sei notwendig, eine Kultur zu fördern, die Autonomie und Vertrauen fördert, und häufige Möglichkeiten zur Weiterbildung anzubieten. Außerdem gilt es, Ziele klar und individuell zu definieren, um anschließend den Beitrag für das „große Ganze“ zu kommunizieren. Da nur ein Viertel der Arbeitnehmer sicher ist, einen positiven Einfluss auf ihre Teams zu haben, sollte auch in diesem Bereich mehr Zusammengehörigkeit gelebt werden.
Um eine umfassende Strategie zu entwickeln, sollten Mitarbeiterprogramme genutzt und regelmäßig anonyme Erhebungen durchgeführt werden. Denn 63 Prozent der Arbeitnehmer ist davon überzeugt, dass die Bereitstellung neuer Wachstumschancen zu einer Verbesserung ihrer Arbeitserfahrung und ihrer Zufriedenheit beitragen kann.