Hedgefonds

Gutes Umfeld für Hedgefonds

BRITAIN-BUDGET-ECONOMY-INFLATION
BRITAIN-BUDGET-ECONOMY-INFLATIONAPA/AFP/UK PARLIAMENT/JESSICA TA
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In der allgemeinen Unsicherheit schlagen sich Fonds, die mit computergesteuerten Algorithmen arbeiten, wieder überdurchschnittlich gut. Zuvor sind sie jahrelang hinterhergehinkt.

Das 200 Milliarden Dollar schwere Segment der Hedgefonds-Industrie, die mit computergesteuerten Algorithmen arbeitet, gehört zu den Gewinnern der extremen Marktschwankungen dieses Jahres. Viele dieser Fonds sind auf bestem Weg, Rekordergebnisse einzufahren.
Diese Fonds analysieren mit Computerfarmen riesige Datenmengen, um die Entwicklung von Aktien-, Anleihe-, Währungs- und Rohstoffmärkten vorherzusagen. Anziehende Inflation und steigende Zinsen sorgten in diesem Jahr für die Volatilität, in der diese Strategie besonders gut gedeiht.

Beispiele sind etwa das Diversified Programme von Aspect Capital, das allein im September um 5,2 Prozent zulegte und seinen Gewinn in diesem Jahr damit um fast 44 Prozent steigerte, wie aus einem Anlegerdokument hervorgeht. Der Tulip Trend Fund kletterte bis September um mehr als 58 Prozent, während der Lynx-Fonds um mehr als 45 Prozent zulegte, wie aus den Aktualisierungen auf den Websites der Fonds hervorgeht.

Absicherungsinstrumente

Die Anleger stürzen sich auf diese Fonds, mit denen man sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren kann, um ihre Portfolios gegen unvorhergesehene Schocks abzusichern. Bis August flossen ihnen netto 7,4 Milliarden Dollar (7,5 Milliarden Euro) zu, während die Branche insgesamt Abflüsse in Höhe von fast 45 Milliarden Dollar hinnehmen musste.

„Die Dinge sind im Umbruch“, sagt Douglas Greenig, dessen Firma Florin Court Capital in London einen Quant-Fonds betreibt, der in diesem Jahr um 24 Prozent gestiegen ist. Anleger suchten Strategien, mit denen selbst bei extremen Entwicklungen die Verluste begrenzt oder sogar Gewinne erzielt werden können, so Greenig.

Quants gewannen eine große Anhängerschaft, nachdem sie mit zweistelligen Gewinnen durch die globale Finanzkrise von 2008 gesegelt waren. Die quantitative Lockerung der Zentralbanken auf der ganzen Welt dämpfte die Volatilität in den vergangenen Jahren, führte bei Quants zu nur mittelmäßigen Gewinnen und prägte bei manchen Insidern den Titel „Quants-Winter“ für diese Ära.

Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Der SG-Trend-Index, der die Gewinne einiger der größten Quant-Fonds der Welt misst, stieg bis September um fast 36 Prozent und ist damit auf dem Weg zu seinem besten Jahr überhaupt.

Ein Beispiel für eine Situation, in der Quants ihre schnelle Reaktionsfähigkeit ausspielen können, bot das Marktchaos rund um das „Minibudget“ des britischen Schatzkanzlers Kwasi Kwarteng (dieses sieht massive Steuersenkungen vor; Kritiker meinen, es werde die Staatsverschuldung in die Höhe treiben). Es löste einen dramatischen Einbruch des Pfund und einen starken Anstieg der Anleiherenditen aus. Doch die Algorithmen sind darauf ausgelegt, solche Impulse schnell zu erkennen und auszunutzen.

Instabiles Umfeld

So waren die Gewinne des Flaggschiff-Fonds von Aspect in der vergangenen Woche überwiegend auf den Handel mit Anleihen und Devisen zurückzuführen, erklärte die Firma, die etwa 10,6 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet, in einem Schreiben, das Bloomberg vorliegt. Der Tulip-Trend-Fonds kletterte im September um elf Prozent, da die Strategie auf fallende Treasuries, Gilts und Pfund Sterling gesetzt hatte, wie aus dem Anlegerschreiben hervorgeht. Angesichts der steigenden Inflation setzen Händler weiter darauf, dass die Zentralbanken die Zinssätze anheben und Liquidität werden abziehen müssen. Laut Greenig ist die wichtigste Frage, ob sich das makroökonomische Umfeld stabilisiert hat oder instabil bleibt.

„Ich sehe Instabilität – Inflation, Straffung, hohe Verschuldung, Deglobalisierung, Dekarbonisierung, Geopolitik und eine kaputte, polarisierte Politik im Westen“, sagte er. „Zudem sind die Zentralbanken durch die gleichzeitige Inflation und wirtschaftliche Schwäche in der Klemme.“

In den vergangenen Jahren hatte die lockere Geldpolitik der weltweiten Notenbanken dazu geführt, dass nahezu alle Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Kryptowährungen) in die Höhe geschnellt sind. Hedgefonds, die sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen zu profitieren versuchen, hatten dagegen kaum Chancen. (Bloomberg/red.)

(Bloomberg/red.)

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