Mit aggressiver Rhetorik verteidigt Putin die Annexion von vier Regionen. Aber bei Weitem nicht alle Russen glauben dem Narrativ.
DIE AUTORIN
Nina L. Chruschtschowa (*1964) studierte an der Moskauer Staatsuniversität und in Princeton. Sie ist Urenkelin des früheren Sowjetführers Nikita Chruschtschow. Derzeit ist sie Professorin an der New School. Zuletzt erschien mit Jeffrey Tayler „In Putin's Footsteps: Searching for the Soul of an Empire Across Russia's Eleven Time Zones“ (2019).
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe ich keine so orwellsche Rede mehr gehört wie die des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, in der er den Anschluss der vier ukrainischen Regionen an Russland verkündet hat.
Genauso wie der Kommunismus einst die Menschheit vor der imperialistischen Ausbeutung retten sollte, fühlt sich Russland nun anscheinend berufen, das Recht der Länder zu verteidigen, keinem „neuen Kolonialismus“ unterworfen zu sein, der sie in westliche Vasallenstaaten verwandelt. In Putins Russland ist Krieg Frieden, Sklaverei Freiheit, Unwissenheit Stärke – und illegale Annexionen in einem souveränen Land sind der Kampf gegen den Kolonialismus.