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Quergeschrieben

Von der seltsamen Selbsterkenntnis, staatstragend zu sein

Wie umgehen mit der Wut der anderen, wenn man sich selbst einigermaßen von dem repräsentiert sieht, was die Zornigen als „Systemparteien“ ablehnen?

Irgendwie bin ich da hineingestolpert. Dabei hielt ich mich die längste Zeit für grundsätzlich oppositionell eingestellt. Doch spätestens seit dem zweiten Lockdown und allerspätestens seit der Wiederwahl des Bundespräsidenten fühle ich mich als Teil des Establishments. Ich bin noch zu keinem Urteil darüber gelangt, ob ich das gut oder schlecht finde, tendiere aber zu Ersterem.

Denn ich glaube nicht, dass irgendeine andere Regierungskonstellation in den vergangenen zweieinhalb Jahren irgendetwas wesentlich besser zustande gebracht hätte. Was nicht bedeutet, dass ich das aktuelle Personal für das beste Denkbare halte; doch Herausragendes sehe ich anderswo auch nicht. Und jede Politikerin und jeder Politiker, die oder der die vergangenen Jahre in Verantwortung durchgehalten hat, genießt meinen Respekt – völlig ungeachtet dessen, was ich im Detail selbst anders sehe. Auch fehlt mir der Wille zum Gesudere, zur gespielten Empörung und dem lautstarken Besserwissertum, das auf Social Media tönt. Dieses Geplänkel und Getue, nein, so wollte auch mein oppositionellstes Gemüt nie sein.