Wohnen und Investieren

Zinsen und Inflation zerstören Immobilienträume

Der Markt für Eigentumswohnungen habe sich in den vergangenen Wochen „spürbar verändert“, heißt es in einer aktuellen Erhebung der Maklervereinigung Remax.

Es war eine beispiellose Rallye, die in der vergangenen Dekade auf dem österreichischen Immobilienmarkt zu beobachten war. Zweistellige Zuwächse bei den Preisen für Wohneigentum waren keine Ausnahme. Möglich machten es die niedrigen Leitzinsen, die Kredite billig und damit für viele greifbar machten. Und der lockere Umgang der Banken mit den Vergabekriterien. Vom privaten Eigennutzer bis zum Großinvestor griffen alle beherzt zu.

Aber bekanntlich haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Der Leitzins im Euroraum liegt mittlerweile bei 1,25 Prozent. Dazu kommen strengere Vorgaben für die Kreditvergabe in Österreich. Nun zeichne sich auf dem heimischen Immobilienmarkt eine Trendwende ab, so eine Analyse von Remax.

Zwar legten die Preise für Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr 2022 noch einmal um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Aber der Markt kühle sich ab: Das Angebot an Eigentumswohnungen sei seit Juli 2022 spürbar gestiegen. Und die Nachfrage sei – ausgehend von einem sehr hohen Niveau – in den vergangenen zwei Monaten um ein Viertel zurückgegangen, heißt es in der Erhebung. Es sei daher damit zu rechnen, „dass sich die Preiskurve in den nächsten Monaten deutlich abschwächen wird und in einzelnen Regionen auch mit Preisrückgängen zu rechnen ist“, sagt Remax-Österreich-Chef Bernhard Reikersdorfer.
Die Entwicklung auf dem österreichischen Immobilienmarkt verlaufe „regional völlig unterschiedlich“. Die Erhebungen basieren auf Daten aus dem Grundbuch. Demnach kostete eine Eigentumswohnung im österreichischen Durchschnitt zuletzt 257.943 Euro. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis lag bei 4044 Euro. Das waren um neun Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und ein Drittel mehr als vor fünf Jahren.

Der Immobilienmarkt habe sich in den vergangenen Wochen „spürbar verändert“. Das betreffe auch die Eigentumswohnungen. Reikersdorfer verweist auf die Verbücherungszahlen und die Nachfrage, die im ersten Halbjahr weiter auf einem sehr hohen Niveau waren, weshalb die Preise noch einmal deutlich anzogen. Nun aber könnten sich aufgrund der steigenden Zinsen, der verschärften Kreditvergaberichtlinien sowie der steigenden Energie- und der generell höheren Lebenshaltungskosten so manche Interessenten, die sich noch vor wenigen Monaten eine Wohnung problemlos hätten kaufen können, dies in der derzeitigen Situation nicht mehr leisten. „Sie müssen ihre Pläne beziehungsweise Träume aufschieben oder gänzlich aufgeben“, sagt er.

Stärkste Teuerung in Wien

Von Jänner bis Juni 2022 stiegen die Durchschnittspreise für eine Eigentumswohnung im österreichweiten Durchschnitt noch einmal um 9,6 Prozent, nachdem sie sich im Vorjahr bereits um 8,6 Prozent verteuert hatten. Je nach Bundesland lagen die Preissteigerungen heuer bisher zwischen 7,4 und 16,9 Prozent.

Am stärksten stiegen die Preise in Wien mit 16,9 Prozent, gefolgt vom Burgenland mit 16,7 Prozent und Oberösterreich mit plus 11,5 Prozent. Ein Viertel aller verkauften Wohnungen kostete weniger als 157.000 Euro. Es seien weniger teure Wiener, Tiroler und Vorarlberger Wohnungen verkauft worden, aber mehr günstige in der Steiermark und in Niederösterreich.Unter dem Strich wurden im ersten Halbjahr 26.262 Eigentumswohnungen in Österreich verkauft. (hie)

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