Als ich erstmals vor Ort war, war Österreich Gastland und ich voller Erwartungen. Das Erlebnis war ernüchternd, kam ich mir doch vor wie ein Zwerghuhn bei einer Kleintierschau – unendlich viele Aussteller, Kojen und sehr viel größere Tiere, aber auch viel Mist. Über das Oktoberfest der Bücher.
Nicht mehr lang, und man wird den letzten Fernsehzuseher ehren. Der Generalintendant des ORF muss ausrücken, um in einem entlegenen Alpental dem letzten Mohikaner eines ausgestorbenen Publikumsstammes Geschenkkorb, Ehrenring und eine goldene Fernbedienung zu überreichen. Der Küniglberg-Kinderchor darf „Es wird scho glei dumper“ intonieren, Tom Turbo zeigt einen Wheelie, und die mit Bussen angekarrten Kommissare sämtlicher Landkrimis nehmen Aufstellung zu einem allerletzten Gruppenbild. Gefragt nach seiner Lieblingssendung, wird der letzte Fernsehzuseher, ein in den Stupor gefallener, stocktauber Mensch, etwas von Billardmeisterschaften und Wetterpanorama murmeln.
Auch wenn es die Verfechter von Zwangsgebühren nicht wahrhaben wollen, ist Fernsehen ziemlich tot. Das heißt aber nicht, dass das Bedürfnis nach Erzählungen erloschen wäre. Der Mensch wird immer das Bedürfnis haben, ausgedachte oder wahre Lebensgeschichten zu erfahren, um sich zu unterhalten, daraus zu lernen oder eine angeborene Neugierde zu stillen. Was früher mit Heldenepen, Märchen oder Groschenromanen befriedigt worden ist, erledigen heute Serien, die man auf praktisch jedem Gerät empfangen kann. Gerade dass nicht auf der elektrischen Zahnbürste oder dem Wasserkocher ein Filmchen läuft. Egal, wo man ist, die Leute starren in ihr Handy, was mir nicht selten einen schmerzhaften Stich versetzt. Da sitzen Frischvermählte oder Studentengruppen beisammen, und niemand spricht, weil alle in ihren sozialen Netzwerken interagieren. Dasselbe, wenn man mit Bahn oder U-Bahn fährt: Jeder glotzt ins Smartphone.