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Wohnen, Interior und Bauen

Neue Bücher für den Herbst

Pixabay
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Vom Leben in den schönsten Domizilen, über historische Villen und den Einsatz ökologischer Baustoffe.

Sich im Herbst mit Büchern einzudecken könnte zu einem persönlichen Ritual werden. Warum auch nicht? Vor der allseits beliebten Sommerlektüre schreckt auch kaum jemand zurück. Ob das mit der Sonne, Berge, Strand und Meer zusammenhängt und zufälligerweise Urlaubszeit ist, sei dahingestellt. Eines ist jedenfalls klar, sich mit einem guten Buch auf das Sofa zurückzuziehen ist besonders im Herbst ein gemütliche Option bei Sturm, Regen – und Krisentickern aller Art. Hier sechs Lese-Empfehlungen der Immobilien-Redaktion.

Praxisbezug: Seit der Antike, heißt es, nutzen Menschen Lehm als Baustoff für ihre Häuser und in weiterer Folge auch für Dörfer und Städte, er setzte sich aber in Mitteleuropa nicht durch. Dabei zeichnet sich die Bauweise vor allem durch ihre hohe Raumluftqualität sowie hervorragende ökologische Eigenschaften aus. Autor Martin Rauch bezieht sich gemeinsam mit Marko Sauer in der vorliegenden aktualisierten und erweiterten Neuauflage auf Forschungsergebnisse sowie praktische Erfahrungen beim Planen und Umsetzen von Häusern aus Lehm. An von Rauch realisierten Bauten wird beispielhaft gezeigt, wie sich bautechnische Probleme im Lehmbau lösen lassen und welche gestalterischen Möglichkeiten sich daraus ergeben: Von Konstruktionsdetails und Handwerk bis zur Vorfertigung und industriellen Produktion werden unterschiedliche Varianten vorgestellt. Das Grundlagenwerk eignet sich als (Fach-)Lektüre für an der Lehmarchitektur Interessierte, Bauherren sowie Architekten gleichermaßen. „Gebaute Erde – Gestalten & Konstruieren mit Stampflehm“, Edition Detail, 2022.


Sommerfrische: Als eine der beliebtesten Kurstädte Österreichs gilt Baden bei Wien. Ursprünglich angezogen durch die Anwesenheit der kaiserlichen Familie im Sommer, siedelten sich im Laufe der Jahre Großindustrielle und Bankiers – mit teils jüdischer Herkunft – an. Sie erbauten Villen im Stil des Historismus, des Jugendstils und der beginnenden Moderne. Die Wiener Historikerin und Kuratorin Marie-Theres Arnbom erzählt von den Villenbewohnern und -erbauern und deren Schicksal während der Kriegsjahre. In der Struktur präsentiert sich das Buch zudem wie ein Stadtführer: mehrere Wege durch Baden – von der Wiener Straße 41 (Familie Jellinek-Mercedes) über die Flamminggasse 49 (Mizzi Zwerenz) bis zum Kaiser-Franz-Ring 13 mit der Gigerlkönigin Paula Menotti. Weg Nummer vier führt beispielsweise ins Helenental: Zu lesen gibt es hier zum Beispiel „Die Geschichte eines Klaviers. Familie Gutmann“. Ein Namensregister und Abbildungen berühmter Persönlichkeiten von damals ergänzen die detaillierten Villen- und Wegbeschreibungen. „Die Villen von Baden – Wenn Häuser Geschichten erzählen“, Amalthea-Verlag, 2022.

Denkanstoß: Das Wohnen, es zieht sich wie ein roter Faden durch jedes Leben. Denn es ist ein elementares Bedürfnis und ein Grundrecht, sagt der Autor Andreas Kreutzer. Der Berater analysiert auf 296 Seiten den heimischen Wohnbau und liefert spannende Einblicke – von der Diskussion über die Flächeninanspruchnahme über die Wohnbauförderung bis hin zur Preispolitik. Kreutzer geht der Entwicklung von Mieten, Häuser- und Wohnungspreisen der vergangenen dreißig Jahre auf den Grund, die „deutlich rascher als die Inflation“ gestiegen sind, heißt es im Text, und stellt weiters leistbares Wohnen zur Disposition. „Das Ende der Maurerkelle – 30 Jahre Wohnbau in Österreich, 1990–2020“, Collage-Verlag, 2022.

Stauraum: In den Städten wird das Platzangebot tendenziell geringer. Viele Menschen leben in kleinen, aber durchaus behaglichen und stylishen Wohnungen. Wie kann man Dinge verstauen, die man nicht täglich braucht? Wie lassen sich Räume flexibel nutzen? Wie kann man Remote-Working von daheim organisieren? Auf diese und viele weitere Fragen versucht der Gestalten-Verlag praktische Antworten zu geben. Veranschaulicht anhand zahlreicher Einrichtungsbeispiele aus Europa, den USA und Asien. Ein zusätzliches Goodie im Buch sind die konkreten Tipps. Ein Beispiel: Wie sich Stauräume in den kleinsten Wohnungen umsetzen lassen. Oder: Wie das schicke Stadt-Fahrrad in der kleinsten Hütte auf raffinierte Weise seinen eigenen Platz findet. Genauso wie die smarte Bücherwand. Also ganz schön inspirierend. „Pretty Small – Grand Living with Limited Space“, Verlag Gestalten, 2022.


Rückzugsorte:Die schönsten, smartesten Landhäuser aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Spanien – von romantisch bis modern – präsentiert die Journalistin Doris Barbier-Neumeister in einem 208-seitigen Bildband. Samt persönlichen Tipps in einem eigenen Serviceteil für den Weg zum eigenen Haus auf dem Land. Die hauptsächlich in Frankreich lebende Autorin macht dankenswerterweise auf so manche Stolpersteine aufmerksam, die man beachten sollte: „. . . wer Landhaus sagt, sagt meist auch Baustelle“, heißt es da im Vorwort. Und das zeigt etwa eindrucksvoll der Umbau einer Mühle in der Normandie zu einem Domizil für eine Familie aus Paris. Um nur ein Beispiel zu nennen. „Mein Refugium auf dem Land – Vom Traum zur Wirklichkeit“, Callwey-Verlag, 2022.


Zuhause: Gut möglich, dass der Spruch „Zeig mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist“ etwas Wahres an sich hat. Denn Menschen reagieren auf Gebäude und Räume. Die Wohnexpertin Barbara Perfahl erklärt psychologische Phänomene und wie diese mit Wohnen und Einrichten zusammenhängen. Sie stellt Einrichtungskonzepte vor und beruft sich dabei auf wohn- sowie architekturpsychologische Erkenntnisse. „Wohnpsychologie für die Praxis – Wie aus Räumen ein Zuhause wird“, Blottner-Verlag, 2022.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2022)