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Porträt

Für Respekt braucht es keine künstlichen Hierarchien

Markas-Chefin Gerlinde Tröstl legt großen Wert darauf, „vorzuleben, was ich von meinen Mitarbeitenden erwarte.“(c) Nicole Heiling
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Gerlinde Tröstl verantwortet die Geschäfte beim familiengeführten Dienstleistungsunternehmen Markas. Schon zu Beginn ihrer Karriere spezialisierte sich die Betriebswirtin auf zwei Bereiche, die voneinander zu profitieren scheinen.

Obwohl es zunächst nach einem Widerspruch klingt, liegen die Kompetenzfelder von Gerlinde Tröstl in zwei entfernten Bereichen: Finance/Controlling und Marketing. Doch der Eindruck täuscht: Sie habe gelernt, ihre kreative Ader und extrovertierte Art auch im Controlling zu nutzen. „Gerade im Finanzbereich ist es notwendig, kommunikativ zu sein. Man muss einerseits abteilungsübergreifend mit allen Entscheidungsträgern im Austausch sein, um das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Und andererseits die Fähigkeit besitzen, den eigenen Standpunkt – also auch das Budget – gut präsentieren und rechtfertigen zu können.“

Mit Marsch und Ziel

2012 stieg sie als Finanzleiterin in das Familienunternehmen ein und entwickelte einen Bereich weiter, der damals noch „in Kinderschuhen steckte“, wie sie sagt. Sie entschied sich dazu, eine Bilanzbuchhalterin einzustellen und eine eigene Controllingabteilung aufzubauen. Nur zwei Jahre später wurde ihr die Geschäftsführung übertragen. In dieser Funktion zeichnet sie mittlerweile für 2200 Mitarbeitende und einen prognostizierten Umsatz von 73 Millionen Euro (für dieses Jahr) verantwortlich, sagt die Internationale Betriebswirtin.

Gelingen würde ihr dies, da sie immer schon eine verantwortungsbewusste und zielstrebige Person war, die bereits jung wusste: „Ich will Verantwortung übernehmen und Teams führen.“ Wichtig sei dabei, klare Worte zu finden und kooperativ zu sein. Aber auch: Ziele (gemeinsam) zu definieren und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Für sie sei es nicht notwendig, Hierarchien aufzubauen, um Respekt zu erhalten. Denn: Als Führungskraft gebe sie die Marschrichtung und den Takt vor, an den sich alle zu halten haben. Die Eigenschaften, die es braucht, um sich in führender Position durchzusetzen, seien zwar bei Frauen genauso vorhanden wie bei Männern, sagt die gebürtige Niederösterreicherin.

Auch der Wille, die Komfortzone zu verlassen und sich in ein Abenteuer zu begeben, sei geschlechterunabhängig. Aber: „Es braucht von Frauen ein Quäntchen mehr Leistungsbereitschaft und deutlich mehr Selbstbewusstsein“, sagt sie. Ihr habe es geholfen, einen Mentor zu haben und an Programmen für Führungskräfte – wie Zukunft.Frauen – teilzunehmen. Gerade dort habe sie viele inspirierende Persönlichkeiten kennengelernt und ihr Netzwerk sowie ihren Horizont erweitern können.

Die Familie ist das Fundament

Wenn es um Diversität geht, ist für sie klar, dass Teams besser funktionieren, wenn sie vielfältig aufgestellt sind. Mit Mitarbeitenden aus 70 Nationen arbeite man seit knapp zwei Jahren gezielt daran, möglichst inklusiv zu sein. Man beschäftige sich auch damit, das Unternehmen barrierefrei zu machen, um für Menschen mit Behinderungen noch attraktiver zu werden. Altersunterschiede bezeichnet sie als bereichernd und stellte kürzlich einen neuen Mitarbeiter ein, der über 60 Jahre alt ist. Tröstl dazu: „Wir stellen den Mensch in den Mittelpunkt.“

Im familiengeführten Facility-Unternehmen pflege man ein gutes Miteinander, sagt sie und hebt hervor: „Wir schaffen es, schnelle Entscheidungen zu treffen, die in der Umsetzung auch einmal langsam sein dürfen, um langfristig Bestand zu haben.“ Schließlich würden sie viele Menschen betreffen, die gesamte Unternehmensgruppe beschäftigt rund 11.000 Mitarbeitende.

Information

„Zukunft.Frauen“. Das Führungskräfteprogramm hat das Ziel, mehr Frauen in Vorstand, Aufsichtsrat und der ersten Führungsebene zu etablieren, zu vernetzen und sichtbar zu machen.

Die gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW), der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und der Industriellenvereinigung (IV) wurde nach norwegischem Vorbild entwickelt. Jeder Durchgang besteht aus acht halbtägigen Modulen mit Themenblöcken und Kamingesprächen.

Im März 2023 startet der 22. Durchgang, die Bewerbung ist bis 15. November 2022 möglich. Kriterien für die Auswahl der Kandidatinnen sind unter anderem mindestens fünf bis sieben Jahre Führungserfahrung in leitender Funktion, Branchen- und Fachwissen und dass ein nächster Karriereschritt innerhalb der nächsten zwei Jahre mit klar definierten Zielen angestrebt wird. Weitere Informationen unter www.zukunft-frauen.at.