Schießen, Bomben, Sprengen, Drohen, Mobilisieren, Aufrüsten – und Sterben, Fürchten, Frieren, Flüchten: Europa im Herbst 2022. Das Leid der Ukrainer ist das Leid aller.
Damals war alles noch viel leichter. Anfang der 1980er-Jahre ließ es sich schön demonstrieren in den Städten Westeuropas. Ja, damals gab es noch das freie, demokratische Westeuropa und das kommunistische, militärisch unterdrückte Osteuropa.
Gegen die USA, deren Präsidenten, Ronald Reagan, und die Nato wurden große Friedensmärsche veranstaltet. Gegen die Sowjetunion wurde eher weniger demonstriert. Das war offenbar nicht so opportun, damals.
Und heute, eine oder zwei Generation später, wie sieht es da aus? Wie reagiert die Welt auf den vom russischen Machthaber, Wladimir Putin, angeordneten militärischen Überfall? In Russland selbst werden Demonstranten gegen das, was dort Spezialoperation genannt wird, ohne Zögern und Gnade verhaftet. Wer das Pech hat, Mann zu sein und nicht gebrechlich oder krank zu wirken, dem kann es schon passieren, dass er bei der Gelegenheit den Einberufungsbefehl ausgehändigt bekommt.
Und sonst? Die Staatengemeinschaft hat in der UNO den Krieg Russlands gegen die Ukraine mit sehr deutlicher Mehrheit verurteilt. Viele Regierungen, vor allem in Europa, wo der Krieg auch stattfindet, haben wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland verhängt, haben Vermögen beschlagnahmt und verwehren Einzelpersonen die Einreise. Vor allem wird die Ukraine auch mit militärischem Gerät ausgestattet. Aber wie reagiert die Zivilgesellschaft? Ja, es gibt nicht wenige, die Geld, Lebensmittel, Textilien etc. spenden; es gibt nicht wenige, die geflüchteten Ukrainerinnen und deren Kindern Unterkunft geben. Das alles ist wichtig und richtig.