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Randerscheinung

Der zweite Teststreifen

Carolina Frank
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Bis zur nächsten Hofburg-Wahl hat sich das hart­näckige Virus hoffentlich schon wegmutiert.

Alle sind krank. Es wird gerotzt, geschnupft und gehustet, was das Zeug hält. Und es hält erstaunlich viel. Bei uns hat es der Jüngste mitgebracht, und es ist nicht die C-Sache. So behauptet es zumindest hartnäckig der eine Streifen, der unter dem ­Plastikmüllhaufen aus Wattestäbchen, ­Pufferflüssigkeitshütchen und Verpackungsresten hervorleuchtet. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob der zweite Teststreifen überhaupt existiert.

Es gab ja da einmal den Fall eines Autoproduzenten, der Airbags gar nicht erst eingebaut hat. Unfälle sind selten, wer soll schon draufkommen. Obere Atemwege also ja, Corona aber nein. Die Kinderärztin meint, das Ohr, die Schwachstelle des Buben, ist noch nicht entzündet. Immerhin. Schule also vielleicht, Turnen sicher nicht. Dafür spielt er Basketball in der Küche. Der Mittlere kommt nach einem Monat praktikumsbedingter Absenz nach Hause und wird auch gleich krank. Gut, diese nicht goldene Art von Herbst ist nie lustig, dunkler, kälter, laubiger jeden Tag, und man hat sich noch überhaupt nicht gewöhnt.

War die Jacke wirklich so dick und unangenehm, hatte der Pullover schon das Mottenloch, wo sind die festeren Schuhe? Immerhin haben wir einen Bundespräsidenten gewählt. Der Jüngste wird einmal im Bibelstil sagen können: Volksschule und Gymnasium unter Alexander Van der Bellen. Ja, so lang sind zwölf Jahre. Und wenn dann das nächste Mal die erste Frau in die Hofburg gewählt werden wird, wird der Jüngste sie schon mitgewählt haben, mit der Matura in der Tasche (oder wo immer man die hintut). Bis dahin hat sich das hart­näckige Virus hoffentlich schon wegmutiert. Und der hartnäckige Herbst. Und überhaupt alles Hartnäckige.

("Die Presse Schaufenster" vom 14.10.22)