Die Verschiebung sei "auf eine Anpassung der Arbeitsregelungen" zurückzuführen, sagte ein Mitarbeiter des Statistikamts der Nachrichtenagentur Reuters. Ein neuer Termin für die Bekanntgabe wurde nicht genannt.
China verschiebt überraschend die Bekanntgabe wichtiger Daten zur Konjunkturentwicklung. Dazu gehört auch die für morgen, Dienstag, während des Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas vorgesehene Einschätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal, wie das Statistikamt am Montag auf seiner Webseite mitteilte. Auch Angaben zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Arbeitslosenquote sind von der Verschiebung betroffen.
Die Verschiebung sei "auf eine Anpassung der Arbeitsregelungen" zurückzuführen, sagte ein Mitarbeiter des Statistikamts der Nachrichtenagentur Reuters. Ein neuer Termin für die Bekanntgabe der an den Finanzmärkten genau verfolgten Daten wurde nicht genannt.
"Die verspätete Veröffentlichung der Konjunkturdaten ist nicht auf eine schlechte wirtschaftliche Erholung zurückzuführen, sondern auf den laufenden Parteikongress", mutmaßte der Chefökonom bei Jones Lang Lasalle in Hongkong, Bruce Pang. "Die Behörden wollen, dass sich die Medien und die Öffentlichkeit auf die Kernaussagen des großen Ereignisses konzentrieren." Schon am vergangenen Freitag hatte die Zollbehörde die Statistik zum Außenhandel im September nicht wie geplant veröffentlicht, ohne diese Entscheidung zu erläutern. Nachfragen von Reuters bei der Zollbehörde, wann die Daten nun bekanntgegeben werden, blieben unbeantwortet.
Chinas Regierung rechnet mit einer deutlichen Erholung der chinesischen Wirtschaft im dritten Quartal. Am Montag sagte der Chef der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission (NDRZ), Zhao Chenxin, auf dem Kongress der Kommunistischen Partei am Montag vor der Presse in Peking: "Die Wirtschaft hat sich im dritten Quartal wirklich erholt."
Er räumte in diesem Jahr "Schwierigkeiten und Herausforderungen" sowie "größer als erwartete Schocks" ein. Es habe wegen des externen Umfelds, der Pandemie, extremen Wetters und anderer unerwarteter Faktoren einige monatliche Schwankungen gegeben, sagte der oberste Wirtschaftslenker. Aber insgesamt sei die zweitgrößte Volkswirtschaft auf dem Kurs der Erholung. Auch zeige sie große Widerstandskraft.
Besonders die Beschränkungen durch die strenge Null-Covid-Strategie Chinas mit Lockdowns, Massentests und Quarantäne bremsen die Wirtschaft. Während der Rest der Welt versucht, mit dem Virus zu leben, hält Chinas Führung daran fest, jeden Ausbruch im Keim zu ersticken. Das Null-Toleranz-Ziel ist durch die neuen Varianten, die sich leichter verbreiten, aber immer schwieriger einzuhalten.
Weltbank erwartet nur 2,8 Prozent Wachstum
Im zweiten Quartal hatte die Wirtschaft lediglich um 0,4 Prozent zugelegt. Experten rechnen im dritten Quartal mit schätzungsweise 3,5 Prozent. Die Regierung wird ihr ursprüngliches Wachstumsziel von 5,5 Prozent für dieses Jahr jedoch weit verfehlen. Das Statistikamt gibt die neuen Zahlen für das dritte Quartal am Dienstag bekannt.
Die Weltbank rechnet für das ganze Jahr in China nur noch mit 2,8 Prozent. Das wäre nach dem ersten Jahr der Pandemie 2020 erst das zweite Mal seit vier Jahrzehnten, dass das Wachstum in China so niedrig ausfällt.
"Zum ersten Mal seit 1990 wächst der Rest Asiens schneller als China", sagte der Vorsitzende der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke. Er verwies darauf, dass andere asiatische Länder "grundverschieden" mit Covid-19 umgingen und "zurück zur Normalität" gekommen seien. So soll die Region ohne China laut Weltbank in diesem Jahr insgesamt um 5,3 Prozent wachsen.
(APA)